Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wird neuer Bundesgesundheitsminister. Aber ist er wirklich der richtige Mann für diesen Posten? Michael Kappeler/dpa

Die Medaille hat immer zwei Seiten. Dass Olaf Scholz ausgerechnet Karl Lauterbach zum Gesundheitsminister macht, war einerseits abzusehen. Andererseits spaltet wohl kein anderer Posten Deutschland so sehr wie diese Besetzung. Auch die KURIER-Redaktion hat unterschiedliche Meinungen. Karl Lauterbach als Gesundheitsminister – DAS kann doch nicht gut gehen, oder?

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Pro! Deutschland braucht Fachmann Karl Lauterbach als Gesundheitsminister

Von Dajana Rubert

Was erwarten wir eigentlich von einem Minister? Dass er von dem, worüber er spricht und entscheidet, Ahnung hat. Das mal wenigstens. Ist das aber immer der Fall? Nein! CDU-Politikerin Anja Karliczek, die ohne Fachwissen von Angela Merkel zur Ministerin für Bildung und Forschung ernannt wurde, ist ein warnendes Beispiel. Nach vier Jahren im Amt hat Anja Karliczek gesagt: „Nach vier Jahren kenne ich die Stellschrauben, an denen man drehen muss.“ Nach vier Jahren?

Geben wir einem neuen Gesundheitsminister genauso viel Zeit, sich in sein Amt einzuarbeiten? Gerade jetzt, wo uns in der Corona-Pandemie das Wasser bis zum Hals steht, geht es um schnelles, zielgerichtetes Handeln. Darum, dass Entscheidungsträger wissen, wovon sie sprechen.

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Dass Karl Lauterbach diese Ahnung hat, ist unbestritten. Er hat Medizin studiert und an der Harvard University einen Master in Public Health absolviert. Er  ist Professor und Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität Köln.

Und Karl Lauterbach lag mit seinen Prognosen zur Corona-Pandemie schon oft richtig! Bereits Anfang Februar 2020, wenige Tage nach dem ersten offiziellen Corona-Fall in Deutschland, äußerte sich Karl Lauterbach in einem Interview mit dem Deutschlandfunk und sagte, das Virus sei gefährlicher als die Grippe, daher müsse man „vorsichtig sein mit dem Grippe-Vergleich“. Dem ist wohl so.

Im Juli des vergangenen Jahres, als die Infektionszahlen fast überall in Deutschland vergleichsweise niedrig waren, sprach Lauterbach vom „Start der zweiten Welle“. Er sollte recht behalten.

Und so findet man im gesamten Pandemie-Verlauf immer wieder Beispiele dafür, wie Karl Lauterbach die Situation oft schon Wochen im Voraus richtig einschätzte. Dass er Prognosen trifft, die sich erfüllen.

Mit welchem Grund sollte man diesem Mann im Amt des Gesundheitsministers nicht zutrauen, Deutschland aus der Krise zu führen.

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Dass Olaf Scholz (l.) ausgerechnet Karl Lauterbach zum Gesundheitsminister macht, war einerseits abzusehen. Andererseits spaltet wohl kein anderer Posten Deutschland so sehr wie diese Besetzung. Odd Andersen/AFP

Contra! Karl Lauterbach schürt zu oft Panik

Von Norbert Koch-Klaucke

Ist Karl Lauterbach wirklich der einzige Fachmann in der SPD, der als Gesundheitsminister taugt? Sicher, einem Arzt dieses Amt zu übergeben ist der richtige Weg. Aber bitte keinem, der zu den Panik- und Angstmachern in der Corona-Krise gehörte.

Es gab keine Talk-Show, in der seit Beginn der Pandemie Lauterbach nicht zu Gast war und seine Meinung äußerte. Sicher sind Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen wichtig, um Corona einzudämmen.

Doch bei Lauterbach hat man den Eindruck, er wolle immer härtere Gangarten, die das Land am Ende erneut in einen Lockdown führen. Vorschläge, die aus der Krise führen, den Menschen Mut machen und für Transparenz sorgen, hört und hörte man von dem Mann, der sich einst gerne mit Fliege zeigte, selten bis gar nicht.

Als Sozialpolitiker, der etwa für eine Aufhebung der Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Medizin sorgen könnte, ist Lauterbach der richtige Mann. Aber Deutschland braucht jetzt einen Gesundheitsminister, der nicht nur Ahnung vom Fach hat, sondern in der Corona-Krise in der Lage ist, zum Wohle aller zu handeln – ohne Panik zu schüren.