Kardinal Reinhard Marx will den Zwangs-Zölibat abschaffen. dpa/Sven Hoppe

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx rüttelt an den Grundfesten der katholischen Kirche: Der Erzbischof von München und Freising kann sich nämlich auch verheiratete katholische Priester vorstellen.

„Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen“, sagte Marx der Süddeutschen Zeitung. „Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären. Diese Diskussionen müssen wir führen.“

Katholische Sexualmoral erzeugt „viele Verklemmungen“

Die derzeit vorgeschriebene zölibatäre Lebensform bezeichnete Marx als „prekär“. Doch pauschal will der Kirchenmann keinen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und dem Skandal um sexuellen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche herstellen.

„Aber diese Lebensform und dieses Männerbündische ziehen auch Leute an, die nicht geeignet sind, die sexuell unreif sind“, so Marx. „Und Sexualität gehört eben zum Menschen dazu, das geht auch nie vorüber.“ Die katholische Sexualmoral habe „viele Verklemmungen erzeugt“.

Weitere Missbrauchs-Opfer melden sich

Vor zwei Wochen erschütterte eine Studie zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum München und Freising die katholische Kirche. Den ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, heute Benedikt XVI., wird in dem Gutachten persönlich Fehlverhalten in mehreren Fällen vorgeworfen – ebenso auch dem aktuellen Erzbischof Kardinal Reinhard Marx.

Von 497 Opfern gingen die Gutachter aus – und einem großen Dunkelfeld. Bisher haben sich 15 weitere Betroffene bei der Diözese gemeldet.