Nach den politischen Gesprächen in Vilnius begleitete der litauische Präsident Gitanas Nauseda Bundeskanzler Scholz zum Bundeswehr-Camp in Pabrade. dpa/Michael Kappeler

Sie sind klein, sind Mitglieder von EU und Nato, und sie haben historisch begründete Angst vor dem aggressiven Nachbarn Russland, die drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Deshalb stieß Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei seiner Reise nach Litauen erneut auf Forderungen nach einer stärkeren Nato-Präsenz.

Scholz reagierte: In der Litauens Hauptstadt Vilnius sagte er dem Land zusätzliche militärische Unterstützung für die Verteidigung gegen einen möglichen russischen Angriff zu.

Scholz verspricht Verteidigung des Nato-Gebiets gegen Russland

„Als Verbündete  fühlen wir uns einander verpflichtet und wir werden im Falle eines Angriffs jeden Zentimeter des Nato-Territoriums verteidigen. Wir haben uns fest vorgenommen, dass wir unseren Beitrag verstärken werden“, sagte er am Dienstag nach Gesprächen mit dem litauischen Präsidenten Gitanas Nauseda und den Regierungschefs der anderen beiden baltischen Staaten.

Das deutsche Engagement solle „in Richtung einer robusten Kampfbrigade“ entwickelt werden. Das wären über 3000 Mann.

Nach den Gesprächen gaben die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas, Olaf Scholz, Litauens Präsident Gitanas Nauseda und sein lettischer Kollege Arturs Krisjanis Karins eine Pressekonferenz. dpa/Michael Kappeler

Litauens Präsident nennt Russland einen „terroristischen Staat“

Nauseda wies darauf hin, dass die baltischen Staaten „an der Frontlinie der Nato“ liegen. „Maximale Abwehrbereitschaft und verstärkte Einsatzkräfte in unserer Region sind der Schlüssel zur Sicherheit des gesamten Bündnisses.“ Mit Russland dürfe es „keinen Dialog oder keine Zusammenarbeit geben, keine Beschwichtigung oder Nachgeben gegenüber diesem terroristischen Staat“.

Derzeit ist ein von Deutschland geführtes Nato-Bataillon mit 1600 Soldaten in Litauen stationiert, davon gehören mehr als 1000 der Bundeswehr an, die Scholz nach seinen Gesprächen besuchte.

Balten wollen drei Nato-Brigaden, für jedes Land eine

Mit Litauen besuchte Scholz erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein Nato-Land, das an Russland grenzt.

Die baltischen Staaten dringen seit längerer Zeit auf die Stationierung jeweils einer Nato-Brigade in den drei Ländern. Unklar ist aber wie viele Soldaten davon  vor Ort stationiert werden sollen, und wie viele außerhalb in Bereithaltung.

Die Entscheidung über die Verstärkung der Nato-Ostflanke soll auf dem Nato-Gipfel in Madrid vom 28. bis 30. Juni fallen.

Balten wollen Ukraine zum EU-Kandidaten machen

Beim Scholz-Besuch ging es auch um die Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen die russischen Angreifer gehen. Während die Balten dafür sind, die Ukraine zum EU-Beitrittskandidaten zu machen, will sich Scholz zunächst um die Beitrittskandidaten auf dem Balkan kümmern. Es dürfe für die Ukraine keine Abkürzung auf dem Weg in die EU geben.

Auf Kritik stößt im Baltikum auch die deutsche Haltung zu Militärhilfe an die Ukraine. Bei schweren Waffen ist viel angekündigt, aber nichts geliefert. Die drei Staaten haben bereits früh Waffen in die Ukraine geschickt und Deutschland immer wieder als zu zurückhaltend bei der Militärhilfe kritisiert.