Joe Biden begeisterte seine Parteianhänger mit seiner Kampfrede. Foto: Olivier Douliery/AFP

Zum Abschluss des Parteitags der US-Demokraten hat Joe Biden die Nominierung als Präsidentschaftskandidat angenommen und den Wählern „das Ende dieses Kapitels der amerikanischen Finsternis“ versprochen. „Vereint können und werden wir die Zeit der Dunkelheit in Amerika überwinden“, sagte der 77-jährige Ex-Vizepräsident am Donnerstagabend in der bislang wichtigsten Rede seiner jahrzehntelangen politischen Karriere. Biden zieht im November gegen den republikanischen Amtsinhaber Donald Trump (74) in die Wahl.

Biden versprach, sich für alle Amerikaner einzusetzen. „Während ich ein Kandidat der Demokraten sein werde, werde ich ein amerikanischer Präsident sein“, betonte er. „Ich werde für diejenigen, die mich nicht unterstützt haben, genauso hart arbeiten wie für diejenigen, die mich unterstützt haben.“ Die Amerikaner rief er zur Überwindung der tiefen Gräben im Land auf.

Joe Biden und seine Ehefrau Jill lassen sich auf dem virtuellen Parteitag feiern. Foto: Olivier Douliery/AFP

„Der gegenwärtige Präsident hat Amerika viel zu lange in Dunkelheit gehüllt“, sagte Biden. „Zu viel Wut. Zu viel Angst. Zu viel Spaltung.“ Der frisch gekürte demokratische Herausforderer griff den Amtsinhaber scharf an. „Der Präsident übernimmt keine Verantwortung, weigert sich zu führen, gibt anderen die Schuld, schmeichelt sich bei Diktatoren ein und schürt die Flammen des Hasses und der Spaltung.“

Biden sagte zu, „am ersten Tag“ seiner Amtszeit einen Plan zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie vorzustellen. Dafür solle es auch eine landesweite Pflicht geben, Masken über Mund und Nase zu Tragen, um Infektionen zu verhindern. Das solle keine Last sein, sondern dem Schutz anderer dienen. „Es ist eine patriotische Pflicht.“ Ohne die Eindämmung des Virus könne sich auch die Wirtschaft nicht wieder erholen, betonte Biden. Das habe Trump immer noch nicht verstanden.

In Umfragen liegt Joe Biden deutlich vor Amtsinhaber Donald Trump. Grafik: J. Reschke/dpa

Biden versprach außerdem, die von der Corona-Krise gebeutelte Wirtschaft wieder anzukurbeln und dabei Millionen neue Jobs zu schaffen. Er sagte auch zu, sich der „existenziellen Bedrohung“ des Klimawandels zu stellen. Nötige Investitionen könnten finanziert werden, indem die von Trump durchgesetzten Steuersenkungen für Vermögende rückgängig gemacht würden. Biden verpflichtete sich dazu, den Gesundheitssektor und das Sozialversicherungssystem zu stärken. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz will Biden sich zudem mit Nachdruck dafür einsetzen, den „strukturellen Rassismus“ in den USA auszumerzen.

Trump warf Biden vor, den Wählern nur leere Versprechen zu machen. Unmittelbar nach dessen Rede schrieb Trump auf Twitter, Biden habe in seinen fast fünf Jahrzehnten als Politiker in Washington nichts von den Dingen gemacht, über die er jetzt als Kandidat rede. „Er wird sich nie ändern, nur Worte!“, schrieb der Republikaner weiter. Trump hatte in einem Fernsehinterview unmittelbar zuvor gesagt, er werde sich Bidens Rede ansehen.

Joe Biden will im Falle eines Wahlsiegs mit Kamala Harris als Stellvertreterin die USA regieren.  Foto: Olivier Douliery/AFP

Biden beklagte die mehr als 170.000 Toten in der Corona-Pandemie in den USA und warf Trump vor, noch immer keinen Plan zu haben, wie er die Krise in den Griff bekommen wolle. „Unser derzeitiger Präsident hat in seiner grundlegendsten Pflicht gegenüber der Nation versagt. Er hat uns nicht beschützt. Er hat Amerika nicht beschützt“, sagte Biden. „Das ist unverzeihlich.“ Als Präsident werde er den Amerikanern ein Versprechen geben: „Ich werde Amerika beschützen, ich werde uns gegen jede Attacke - sichtbar oder unsichtbar - verteidigen, immer, ohne Ausnahme, jedes Mal.“

Biden, der zum moderaten Flügel der Partei gehört, zieht mit der Senatorin Kamala Harris als Vize-Kandidatin in die Wahl. Im Falle eines Sieges wäre die 55-Jährige die erste Frau und Schwarze auf dem Vizepräsidentenposten. Harris hatte am Mittwoch in ihrer sehr persönlichen Rede nach ihrer Nominierung gesagt: „Joe wird uns zusammenbringen, um der Rassenungerechtigkeit direkt ins Auge zu sehen und sie niederzureißen.“