Elektrogeräte landen allzu schnell auf dem Müll – das soll sich ändern. imago/bonn-sequenz

Alte Waschmaschinen, Trockner, Drucker oder Staubsauger: In Deutschland sind im Jahr 2020 mehr Elektrogeräte wiederaufbereitet worden. Insgesamt wurden 899.300 Tonnen Elektro- und Elektronikaltgeräte recycelt, das waren 90.800 Tonnen oder 11,2 Prozent mehr als 2019, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit.

Die Recyclingquote, also der Anteil der recycelten oder zur Wiederverwendung vorbereiteten Geräte, stieg leicht um 1,3 Prozentpunkte auf 86,7 Prozent. Vieles wird also recycelt, aber nur ein Bruchteil der Geräte wird repariert. Die Grünen denken nun über Anreize nach – wie einen Reparaturzuschuss vom Staat!

Verbraucher sollten schon beim Kauf erkennen können, ob und wie ein Produkt repariert werden kann, sagte die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner der Bild (Freitag). „Die Reparaturfähigkeit sollte beim Design der Produkte gleich mitgedacht werden. Ein finanzieller Zuschuss kann zudem den Anreiz geben, Schäden am Gerät kostengünstig zu beheben und von einem Neukauf abzusehen“, sagte Rößner. Zur Höhe des Zuschusses äußerte sie sich nicht.

Bayern will 200 Euro der Reparaturkosten erstatten

Ihr Parteikollege Ludwig Hartmann (43), Grünen-Chef im Bayerischen Landtag, wird gegenüber Bild konkreter: Er will einen Reparaturbonus von 200 Euro für jeden Bürger einführen. Zwei Millionen Euro seien für das Projekt beim Parlament beantragt worden. Außerdem will Hartmann, dass es „zu einem bundesweit einheitlichen Reparaturbonus kommt“.

Vorbild der Reparaturbonus-Initiative ist Thüringen: Im vergangenen Jahr konnten sich Verbraucher im Freistaat die Hälfte der Reparaturkosten von Elektrogeräten vom Staat erstatten lassen. Durch die Verbraucherzentrale Thüringen wurden pro Person maximal 100 Euro der Kosten zurückerstattet. Mehr als 6000 Bürger beantragten den Bonus, die geplanten Haushaltsmittel von 400.000 Euro waren flugs aufgebraucht. Wegen des großen Erfolgs soll das Pilotprojekt in Thüringen nun fortgeführt werden.

Das Umweltministerium von Steffi Lemke (Grüne) unterstützt zwar die Reparatur-Zuschüsse in Thüringen und Bayern, hält aber eine bundesweite Regelung laut Bild-Zeitung derzeit für nicht zwingend erforderlich.

Ampel-Koalition plant „Recht auf Reparatur“

Allerdings hat auch die Bundesregierung den Massen an Elektroschrott den Kampf angesagt. SPD, Grüne und FDP haben im Koalitionsvertrag ein „Recht auf Reparatur“ angekündigt. Lebensdauer und Reparierbarkeit sollen demnach „zum erkennbaren Merkmal der Produkteigenschaft“ werden.

Seit Jahresbeginn gilt auch eine verschärfte Rücknahmepflicht für alte Elektrogeräte im Handel. Damit müssen auch Supermärkte, die Lebensmittel auf einer Gesamtverkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmetern verkaufen und mehrmals im Kalenderjahr oder dauerhaft Elektro- und Elektronikgeräte anbieten, Rücknahmestellen einrichten. Dafür gilt aber bis zum 30. Juni 2022 eine Übergangsfrist.

2020 wurden mehr als 1 Million Tonnen Elektrogeräte recycelt

Mehr als ein Viertel aller 2020 angenommenen Elektro- und Elektronikaltgeräte waren laut den Statistikern Großgeräte – etwa Waschmaschinen, Wäschetrockner, Großdrucker und Nachtspeichergeräte. Ein weiteres gutes Viertel entfiel auf Kleingeräte wie Staubsauger, Toaster oder Hi-Fi-Anlagen. Knapp ein Fünftel waren Wärmeüberträger, zu denen Kühl- und Gefrier- sowie Klimageräte zählen.

2020 wurden laut den Statistikern 1,037 Millionen Tonnen Elektro- und Elektronikaltgeräte hierzulande recycelt, anderweitig verwertet oder beseitigt. Nur ein Bruchteil von 1,9 Prozent aller angenommenen Geräte wurde aber ganz oder in Bauteilen wiederverwendbar gemacht, etwa durch Reparaturen.