Wetterexperte Jörg Kachelmann sitzt im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags zur Hochwasserkatastrophe von Mitte Juli und wird als Zeuge befragt. Kachelmann hatte Stunden vor der Flut in einem Tweet gewarnt.  dpa/Rolf Vennenbernd 

Schon Tage vor der Flutkatastrophe zeichnete sich nach Einschätzung des Wetterexperten Jörg Kachelmann ein extremes Wetterereignis für den Südwesten von Nordrhein-Westfalen ab. Am Montag sei nach den Wettermodellen eigentlich bekannt gewesen, dass etwas Großes passieren würde, sagte Kachelmann am Freitagabend im Untersuchungsausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalens zur Flutkatastrophe im Juli zu den Wettermodellen und der Prognose am Montag, dem 12. Juli. Bei der Flutkatastrophe waren in NRW 49 Menschen ums Leben gekommen. 

Kachelmann: Warum wurden die Menschen nicht informiert?

„Die Informationen waren alle da“, betonte Kachelmann in seiner Befragung durch Landtagsabgeordnete. Warum seien die Menschen nicht 24 Stunden vorher darüber informiert worden, dass etwas komme, was man noch nicht gesehen habe? - das fragte er mit Blick auf die Ereignisse am 13. und 14. Juli, als großflächiger Starkregen zu Hochwasser und Überflutungen führte. „Wir haben immer genug Zeit“, betonte Kachelmann. Bei einer Wiederholung der Ereignisse müsse kein einziger Mensch ums Leben kommen, unterstrich er.

Ein Auto liegt nach dem Hochwasser unter Trümmern im nordrhein-westfälischen Stolberg (Archivfoto). Die Flutkatastrophe wird nun politisch im Landtag aufgearbeitet. dpa/Marius Becker 

Kachelmann hatte am 13. Juli mittags in einem Tweet gewarnt, es werde „womöglich Zeit, Menschen allmählich behördlicherseits und medial auf ein Hochwasser-Szenario vorzubereiten“. In der folgenden Nacht kam es zu ersten Überschwemmungen.

Der Untersuchungsausschuss im Landtag von Nordrhein-Westfalen war mit den Stimmen der Oppositionsabgeordneten von SPD und Grünen zustande gekommen. Das Gremium soll mögliche Versäumnisse, Unterlassungen oder Fehleinschätzungen der CDU/FDP-Landesregierung und nachgeordneter Behörden in Zusammenhang mit dem verheerenden Hochwasser von Mitte Juli in NRW untersuchen. Im Frühjahr 2022 soll dem Landtag ein öffentlicher Bericht über die bis dahin vorliegenden Erkenntnisse vorgelegt werden. Im Mai 2022 sind Landtagswahlen.