Elena berichtete, wie russische Soldaten sie stundenlang vergewaltigten. AFP/Bulent Kilic

Wegen der Kriegsgräuel in der Ukraine hat US-Präsident Joe Biden dem russischen Staatschef Wladimir Putin Völkermord vorgeworfen. Die Beweise dafür häuften sich, sagte Biden in der Nacht zum Mittwoch deutscher Zeit. Nach dem Abzug russischer Truppen im Norden der Ukraine kommen immer mehr Gräueltaten an der Zivilbevölkerung ans Licht. US-Präsident Biden glaubt mittlerweile nicht mehr an Einzelfälle. Er wirft Putin vor, die Ukraine „einfach auslöschen“ zu wollen.

Frauen sollen keine ukrainischen Kinder mehr bekommen

So häufen sich bei den Kriegsverbrechen-Ermittlungen in der ukrainischen Kleinstadt Butscha schwere Fälle von sexueller Gewalt und Folter, berichten der australische The Sydney Herald und die britische BBC. Demnach sollen russische Truppen Frauen und Mädchen, welche in einem Keller festgehalten wurden, mehrfach vergewaltigt, gefoltert und missbraucht haben.

Die beiden Medien berufen sich auf Informationen von Lyudmyla Denisova, offizielle Ombudsfrau für Menschenrechte in der Ukraine. Laut Denisova seien nun neun Frauen schwanger. „Russische Soldaten sagten ihnen, dass sie sie bis zu dem Punkt vergewaltigen würden, an welchem sie keinen sexuellen Kontakt mit irgendeinem anderen Mann mehr wollen würden, um sie so daran zu hindern, ukrainische Kinder zu bekommen“, sagte sie der BBC.

Es sind auch Berichte wie der der Ukrainerin Elena, die zeigen, dass Russland Vergewaltigungen bewusst als Waffe im Krieg einsetzt. Immer wieder versagt Elena die Stimme, dennoch will sie erzählen, wie sie von zwei russischen Soldaten stundenlang vergewaltigt wurde – weil ihr Mann ukrainischer Soldat ist.

Elena wurde vergewaltigt, weil ihr Mann ukrainischer Soldat ist

Es passierte am Nachmittag des 3. April in der Region Cherson in der Nähe des Schwarzen Meeres. „Gegen drei Uhr Nachmittag ging ich in einen Lebensmittelladen. Während ich in der Schlange stand, kamen russische Soldaten herein und begannen, sich mit Kunden zu unterhalten“, berichtet Elena, die in Wirklichkeit anders heißt. „Ich habe nicht verstanden, worum es ging.“ Doch dann zeigte ein Mann auf sie und sagte zu den russischen Soldaten: „Das ist die Frau eines Militärs. Wegen solchen Leuten ist der Krieg ausgebrochen.“

Elena verließ den Laden und lief nach Hause, doch die Soldaten verfolgten sie. „Sie kamen hinter mir durch die Tür. Ich hatte keine Zeit, mein Handy herauszuholen und um Hilfe zu rufen“, sagt Elena. „Ohne ein Wort zu sagen, haben sie mich auf das Bett gestoßen, mich mit einem Maschinengewehr niedergedrückt und ausgezogen“, schildert Elena und bricht in Tränen aus. „Sie sprachen kaum, nur manchmal beschimpften sie mich oder sagten zueinander, ‚Du bist dran‘.“

Auch Foltervorwürfe werden laut

Sollten diese Berichte stimmen, reihen sich diese Ereignisse in eine Ansammlung an Gewalttaten der russischen Armee in den Vororten der ukrainischen Hauptstadt ein, welche aktuell von zahlreichen offiziellen Stellen untersucht werden. Dazu zählen unter anderem Folter und Gewalttaten gegenüber der Zivilbevölkerung.

Das Ausmaß der russischen Verbrechen ist schwer vorstellbar, sagte Lyudmyla Denisova weiter. Neben Orten in der Region Kiew, Butscha, Brorodjanka, Makariw, Trostjanez in der Region Sumy kann man sich schnell vorstellen, was nach der Befreiung von Mariupol erwartet wird.

Das ukrainische Militär berichtete am Morgen von neuen Luftangriffen auf die seit Wochen belagerte und weitgehend zerstörte Hafenstadt in der Südukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verglich den russischen Angriff auf Mariupol mit der Nazi-Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg. Auch die Großstadt Charkiw im Osten des Landes sei von russischer Artillerie beschossen worden, hieß es von ukrainischer Seite.