In der Smartphone-App werden Röntgenbilder und andere Patienten-Daten gesammelt. dpa/Picture Alliance/Michael Kappeler

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran: Nach der Corona-Warn-App ist die E-Patientenakte der nächste große Schritt. Die neue Smartphone-Anwendung, auf der medizinische Patienten-Daten gespeichert sind, startet am 1. Januar 2021 als freiwilliges Angebot für alle Versicherten. Der Bundestag hat jetzt beschlossen, welche Inhalte die E-Akte im Einzelnen haben soll - Befunde, Impfpass, Röntgenbilder. Datenschützer äußern Kritik.

Selbst Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt zu, dass die E-Patientenakte nicht sofort in allen Funktionen perfekt sein wird. Das Problem: Nutzer können zunächst nur entscheiden, ob sie alle oder gar keine Daten für ihre Ärzte freigeben. Erst ab 2022 ist die Möglichkeit vorgesehen, dass Patienten für jedes Dokument einzeln festlegen können, welcher Arzt es sehen darf. Soll zum Beispiel der Zahnarzt wissen, was der Psychiater diagnostiziert hat?

Diese Schwierigkeit, die es im ersten Jahr nach Einführung der E-Akte geben wird, bringt die Opposition auf die Barrikaden. Der Abgeordnete Achim Kessler (Linke) warnt davor, dass die „unausgereifte“ E-Akte die Akzeptanz des ganzen Projekts gefährden könnte. Er sagt: „Wozu braucht ein Orthopäde Informationen über einen Schwangerschaftsabbruch?“ Die E-Akte sei vorerst nur eine „ungeordnete Sammlung elektronischer Dokumente“.

Schrittweise mehr Funktionen

Das jetzt vom Bundestag beschlossene Gesetz sieht vor, dass die E-Patientenakte schrittweise mehr und mehr Funktionen bekommt. Neben Befunden, Arztbriefen und Röntgenbildern können voraussichtlich ab 2022 auch der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe Untersuchungsheft für Kinder und das Zahn-Bonusheft gespeichert werden. Dann sollen Versicherte bei einem Krankenkassenwechsel auch ihre digitalen Daten mitnehmen können. 

Um die Mediziner zum Mitziehen bei der E-Akte zu ermuntern, sollen Anreize kommen: Wenn Ärzte und Kliniken das Dossier erstmals mit Dokumenten befüllen, erhalten sie zehn Euro. Geplant ist zudem eine App, mit der man E-Rezepte aufs Smartphone laden und dann in Apotheken einlösen kann. Für den Schutz verarbeiteter Patienten-Daten soll laut Gesetz jeder Beteiligte - vom Arzt über Kliniken bis zu Apotheken - direkt verantwortlich sein. 

Gesundheitsminister Spahn wirbt bei den Versicherten um Vertrauen in die Datensicherheit. Alle Informationen kämen auf deutsche Server. Betreiber müssen Störungen sofort melden - sonst drohen bis zu 300.000 Euro Bußgeld. (mit dpa)