Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) – seine Beliebtheitswerte sind im Sturzflug. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Mit dem Rücken zur Wand hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Teilnahme an einem privaten Abendessen mit einem Dutzend Teilnehmern im Oktober noch einmal gerechtfertigt. „Die damalige Veranstaltung entsprach den Corona-Regeln“, versicherte er Bild am Sonntag.

Spahn, der am Tag nach dem Dinner sein positives Corona-Testergebnis erhalten hatte, betonte: „Jemanden unwissentlich anzustecken, hätte ich zutiefst bedauert.“ Das sei wohl auch aufgrund der Vorsichtsmaßnahmen nicht passiert. 

Lesen Sie auch: Corona-Schnelltests kommen viel zu langsam

Der Spiegel hatte von dem Abendessen am 20. Oktober mit etwa einem Dutzend Unternehmern in Leipzig berichtet. Am Morgen hatte Spahn noch im ZDF darauf hingewiesen, dass es die Hauptansteckungspunkte beim Feiern und Geselligsein gebe, privat oder bei Veranstaltungen wie einer Party.

Harsche Kritik kam deshalb von der FDP. Generalsekretär Volker Wissing warf Spahn in der BamS vor, sich Sonderrechte herauszunehmen. Und auch bei den Wählern fällt Spahn immer tiefer in Ungnade: In einer Umfrage des Instituts Insa für die Bild am Sonntag sind derzeit 56 Prozent der Befragten „eher unzufrieden“ mit Spahns Arbeit, zufrieden sind mit dem einstigen Hoffnungsträger der CDU nur 28 Prozent.

Kanzlerkandidatur verspielt

Dabei hatte Spahn Ende Dezember sogar Angela Merkel in Sachen Beliebtheit überholt, galt als aussichtsreicher Kandidat für das kommende Rennen um die Kanzlerschaft. Doch davon ist Spahn durch Pech, Pannen und nicht zuletzt nach einer missglückten Bewerberrede zur Wahl Armin Laschets zum CDU-Vorsitzenden jetzt weiter denn je entfernt. Seine größten Patzer:

Vermasselte Impfkampagne

Spahn sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, nicht rechtzeitig ausreichend Impfstoff bestellt zu haben und keine konkreten Angaben zu Lieferungen des Impfstoffs zu machen.

Leere Corona-Versprechen

Der gefeierte Krisenmanager der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr ist heute zum „Ankündigungs-Minister“ geschrumpft. Ab 1. März sollte es kostenlose Schnelltests für alle Bürger geben, kündigte Spahn am 16. Februar an. Was die Kanzlerin im Handumdrehen kassierte. Nun wird erwartet, dass die Möglichkeit zur Schnelltestung für alle wohl rund eine Woche später kommt.

Im Sommer – so hatte Spahn angekündigt – könnten alle Menschen ein Impfangebot haben. Merkel präzisierte später, dies solle bis zum Ende des Sommers geschehen.

Affäre um Immobiliengeschäfte

Daneben steht Spahn wegen seiner Immobiliengeschäfte in den Schlagzeilen. Offenbar ließ er über seine Anwälte nachforschen, welche Journalisten über seine Wohnungen sowie eine erworbene Villa recherchierten.

Spahn selbst hatte spätere Kritik schon früh geahnt. Im April 2020 sagte er, „dass wir miteinander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten“. Damals hatte noch niemand daran gedacht, dass er damit auch Milde für sich selbst einforderte.