Die Lebensversicherung - Millionen Deutsche haben vertrauensvoll Verträge abgeschlossen. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn

Rund 92 Millionen Lebensver­sicherungs­-Verträge haben die Deutschen abgeschlossen. Doch des Deutschen liebste Versicherung steckt in der Krise. Jeder vierte Anbieter  hat finanzielle Schwierigkeiten, warnt der Bund der Versicherten. Und die Folgen von Corona sind noch nicht absehbar...

„Mehr als ein Viertel der untersuchten Unternehmen hat ernste Probleme“, sagte der Vorstandssprecher des Vereins, Axel Kleinlein. 22 von 84 untersuchten Versicherern hätten entweder eine zu geringe Zahlungsfähigkeit oder eine negative Gewinnerwartung. Darunter seien auch Anbieter wie die Debeka Leben, DEVK, Ergo und Huk-Coburg, so der Bund. Die Auswertung basiert auf den von der EU vorgeschriebenen Berichten, in denen die Versicherer ihre Finanzlage offenlegen müssen.

Im Moment stünden die Anbieter in einer dreifachen Stresssituation: Die Zinsen seien niedrig, es gebe Unsicherheit bei den Unternehmensanleihen, und die Corona-Krise mache sich bemerkbar. „Die Tektonik der Lebensversicherer ist in Gefahr“, meinte Kleinlein. Die Versicherer sollten ihr Eigenkapital stärken und ihre Anlagen diversifizieren.

Dabei dürften sie aber nicht in die Taschen der Versicherten greifen, betonte Kleinlein. In den Reserven der Versicherer schlummerten 100 Milliarden Euro an Kundengeldern. Jetzt müssten die Unternehmen und Aktionäre für eine Kapitalerhöhung sorgen. Die Probleme der Versicherer lägen vor allem in den zu hohen Garantiezinsen aus den 90er Jahren - wobei nach Ansicht von Kleinlein nicht die Höhe das eigentliche Problem darstellt, sondern die langfristige Kalkulation.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft dagegen erklärte, die Solvenzquote - also das Verhältnis von vorhandenen zu erforderlichen Eigenmitteln - sei in der Lebensversicherung weiter auskömmlich. Ende 2019 habe die Quote weit über dem vorgeschriebenen Niveau gelegen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen sich derzeit noch nicht abschätzen, auch weil die Effekte zum Teil gegenläufig seien.

Verbandssprecher Christian Ponzel räumte ein, dass die Solvenzberichte für Nicht-Experten schwer verständlich seien. „Die Unternehmen, die besonders transparent sind, sind auch tendenziell diejenigen, die am ehesten bereit sind, sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen“, erklärte Kleinlein vom Bund der Versicherten. Der Verein sieht sich als unabhängige Lobby der Versicherten.

Kunden sollten zuerst allerdings prüfen, ob sie überhaupt eine derartige Versicherung bräuchten. Der Bund der Versicherten rät von solchen Verträgen ab. Es sei derzeit keine gute Idee, als Kapitalanlage oder zum Sparen eine Lebensversicherung abzuschließen.