Es trifft auch viele Jüngere: Etwa jede vierte Frau auf der Welt hat mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in einer Partnerschaft erfahren. dpa/Maurizio Gambarini

Regierungen, Gesellschaften und Gemeinschaften müssten aufhorchen, mehr investieren und dringend handeln, um die Gewalt gegen Frauen zu verringern. Mit einem eindringlichen Appell macht die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf aufmerksam, dass viele Frauen rund um den Globus in ihren Beziehungen Gewalt erleben müssen.

Das erschreckende Ausmaß des Problems zeigt eine neue Studie. Demnach hat etwa jede vierte Frau auf der Welt mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in einer Partnerschaft erfahren, berichten Forscher, die Daten der WHO ausgewertet haben. Betroffen seien auch bereits sehr junge Mädchen und Frauen zwischen 15 und 19 Jahren, berichten die Forscher im Fachmagazin The Lancet.

„Es ist von entscheidender Bedeutung und dringend notwendig, Gewalt in der Partnerschaft von vornherein zu verhindern“, sagt Studienleiterin Claudia Garcia-Moreno von der WHO.

Ein Viertel der Teenager ist Opfer von Gewalt

Laut den Daten aus 300 Studien und Umfragen in 161 Ländern hatten 27 Prozent aller Frauen mindestens einmal seit dem Alter von 15 Jahren körperliche und/oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft erlebt. Allein 2018 waren es rund 492 Millionen Frauen (13 Prozent), die in den vergangenen zwölf Monaten Gewalt erfahren hatten. In der jüngsten Altersgruppe von 15 bis 19 Jahren hatten etwa 24 Prozent der Frauen in ihrem Leben bereits solche Gewalterfahrungen gemacht.

„Die hohe Zahl junger Frauen, die Gewalt in Paarbeziehungen erleben, ist alarmierend, denn die Jugend und das frühe Erwachsenenalter sind wichtige Lebensabschnitte, in denen die Grundlagen für gesunde Beziehungen gelegt werden“, sagt die federführende Wissenschaftlerin Lynnmarie Sardinha von der WHO. „Die Gewalt, die diese jungen Frauen erleben, hat lang anhaltende Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden.“

Uno will Gewalt gegen Frauen bis 2030 beenden

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Regierungen auf keinem guten Weg sind, das von den Vereinten Nationen formulierte Entwicklungsziel zu erreichen, Gewalt gegen Frauen und Mädchen bis 2030 zu beenden. „Obwohl diese Studie vor der Covid-19-Pandemie durchgeführt wurde, sind die Zahlen alarmierend.

Und die Forschung hat gezeigt, dass die Pandemie Probleme, die zu Gewalt in der Partnerschaft führen, wie Isolation, Depressionen und Angstzustände sowie Alkoholkonsum, verschärft und den Zugang zu Hilfsdiensten erschwert hat“, sagt Studienleiterin Claudia Garcia-Moreno.

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Am weitesten verbreitet ist Gewalt gegen Frauen in der Partnerschaft der Studie zufolge in Ozeanien (49 Prozent), am geringsten in Zentraleuropa (16 Prozent). In ärmeren Ländern ist sie generell häufiger als in reicheren. Für Deutschland sind in der Studie keine Zahlen genannt. Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums wird auch hierzulande etwa jede vierte Frau mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch ihren aktuellen oder ihren früheren Partner.