Der Bundesfinanzhof in München eröffnete den Weg zur Steuerersparnis.
Der Bundesfinanzhof in München eröffnete den Weg zur Steuerersparnis. dpa/Peter Kneffel

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat Steuerzahlern zu Jahresanfang eine Entlastung angekündigt: Ab 2023 sollen Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung zu hundert Prozent von der Steuer absetzbar sein. Momentan sind es 94 Prozent. Die Absetzbarkeit steigt jährlich, ursprünglich sollte es 2025 soweit sein, dass Rentenbeiträge im Erwerbsalter komplett steuerfrei bleiben. Nun geht es etwas schneller. Der Grund der Anpassung ist, dass eine doppelte Besteuerung der Renten vermieden werden soll – im Erwerbsalter und später im Rentenalter noch mal. Doch was bedeutet die Anpassung konkret für jeden Einzelnen?

Der digitale Vermögensverwalter Growney hat für den Berliner KURIER Beispielrechnungen angestellt.

Demnach profitiert ein Angestellter ohne Kinder mit einem monatlichem Bruttoverdienst von 5000 Euro von einer Steuerersparnis von rund 250 Euro im Jahr. Bei einem Bruttogehalt von 2000 Euro liegt die Steuerersparnis in diesem Beispiel nur noch bei rund 68 Euro – je niedriger das Einkommen, desto geringer ist der Beitrag für die Rentenversicherung und damit auch der besteuerte Anteil.

Mehr Steuerersparnis auf Rentenbeiträge

Einem Paar mit zwei Kindern und einem monatlichen Bruttoverdienst von zusammen 8000 Euro werden rund 321 Euro mehr bleiben als 2022. Bei einem kinderlosen Paar mit gleich hohem Bruttoverdienst liegt die Entlastung bei 357 Euro.

Auch Selbständige mit Rürup-Rente, die entsprechend in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, werden nach den Berechnungen von Growney eine Entlastung spüren. Ein kinderloser Selbständiger mit einem monatlichen Bruttoverdienst von 4000 Euro, der freiwillig in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlt, hat demnach infolge der Anpassung rund 163 Euro mehr.

Bis Beschäftigte etwas von der Entlastung merken, dauert es aber. Auch wenn die Neuregelung ab 2023 gelten soll, wird sich das nicht direkt auf die Gehaltsabrechnung auswirken, sondern erst mit der Steuererklärung für das kommende Jahr und der Erstattung vom Finanzamt. In der Steuererklärung können Rentenversicherungsbeiträge bei den Sonderausgaben geltend gemacht werden. Die Steuererklärung für 2023 kann aber frühestens 2024 erstellt werden. „Anders als die Teil-Abschaffung des Solidaritätszuschlags oder die Anhebung des Steuerfreibetrags macht der Effekt sich nicht sofort auf dem Konto bemerkbar, sondern erst mit Verzögerung“, sagt Thimm Blickensdorf, Mitglied der Geschäftsleitung von Growney.

Renten sollen erst in der Auszahlungsphase besteuert werden

Die Regierungsparteien hatten sich bereits im Koalitionsvertrag ebenfalls darauf verständigt, dass der steuerpflichtige Rentenanteil ab 2023 in geringerem Maße steigen soll als bisher vorgesehen.

Dass die Bundesregierung die Rentenbesteuerung anpasst, geht auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) zurück. Der hatte die Praxis der Rentenbesteuerung im Mai 2021 zwar abermals als verfassungskonform eingestuft. Der BFH wies allerdings darauf hin, dass künftige Rentenjahrgänge von einer Doppelbesteuerung betroffen sein könnten. Seit 2005 wird die Rentenbesteuerung nach und nach umgestellt, hin zu einer nachgelagerten Besteuerung.

Das bedeutet: Renten sollen erst in der Auszahlungsphase besteuert werden und nicht mehr die Rentenversicherungsbeiträge im Erwerbsalter. Für jeden neuen Rentnerjahrgang steigt der Besteuerungsanteil, bis ab 2040 Renten zu 100 Prozent besteuert werden sollen. Für heute 40- bis 60-Jährige hätte es sein können, dass sie im ungünstigsten Fall zweimal Steuern hätten zahlen müssen: im Erwerbsalter und später in der Auszahlungsphase. Mit der geplanten Anpassung soll dies nun vermieden werden.