Die Jacht „Luna“ des russischen Milliardärs Farchad Achmedow liegt derzeit in Hamburg. imago/Hanno Bode

Die USA werden russische Vermögenswerte finden und einfrieren. Man arbeite daran, Jachten und Wohnungen russischer Oligarchen zu beschlagnahmen, man werde ihre unrechtmäßigen Gewinne einbehalten. Die Kampfansage von US-Präsident Joe Biden an Russlands Superreiche und engste Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin in Bidens Rede an die Nation war eindeutig.

Die Jacht „Dilbar“ des russischen Milliardärs Alischer Usmanow liegt im Hamburger Hafen. imago/Hanno Bode
Alischer Usmanow (rechts) ist enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin (M.). AP/Mikhail Klimentyev/Sputnik/Kremlin Pool Photo

Überall auf der Welt werden derzeit Besitztümer, Jachten und Villen russischer Milliardäre ausfindig gemacht. Ob in Hamburg, wo derzeit die Jacht „Dilbar“ von Alischer Burkhanovich Usmanow liegt, oder auch in Frankreich – traditionell ein Tummelplatz reicher Russen.

Der russische Besitzer des Londoner Fußballklubs FC Chelsea, Roman Abramowitsch, scheint dies schon wenige Stunden nach dem Angriff auf die Ukraine geahnt zu haben. Schon am Donnerstag hob in Nizza seine Boeing Dreamliner ab, bevor die französische Regierung Besitztümer regierungsnaher Russen in Frankreich konfisziert.

Frankreich erstellt Listen von Villen, Jachten und Luxusautos der Oligarchen

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire kündigte inzwischen an, dass derzeit Listen von Villen, Jachten und Luxusautos erstellt werden, die Russen gehören, die von den EU-Sanktionen bereits betroffen sind oder es demnächst sein könnten.

Diese Listen dürften lang werden, denn die Côte d’Azur ist traditionell ein Tummelplatz reicher Russen. Das begann bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Russen nach den Engländern die französische Mittelmeerküste als Winterresidenz für sich entdeckten.

In Saint-Jean-Cap-Ferrat besaß etwa Arkadi Rotenberg, einer der einflussreichsten Unternehmer Russlands, die Villa Shoshana. Im vergangenen Sommer ließ er seine Ex-Frau nach Berichten lokaler Medien mithilfe privater Sicherheitskräfte aus der Villa hinauswerfen. Sein Bruder Boris wird „der Milliardär von Eze“ genannt, nach dem Örtchen auf einem Hügel an der Küste.

Auch Großbritannien verhängte Sanktionen gegen Superreiche

Gennadi Timtschenko, ein Vertrauter von Staatschef Wladimir Putin, besitzt seinerseits eine Villa in Lavandou, in der er häufig seine Wochenenden verbringt. Seiner Frau Elena hatte er laut der Zeitschrift L’Obs das Fünf-Sterne-Hotel Club de Cavaliere am Cap Nègre geschenkt.

Gegen Boris Rotenberg, dessen Neffen Igor und Timtschenko hatte Großbritannien bereits am Dienstag vergangener Woche Sanktionen verhängt. Auf der jüngsten EU-Liste stehen sie allerdings nicht. Auch Abramowitsch, der die Vereinsführung des FC Chelsea inzwischen abgegeben hat, ist bislang nicht von den individuellen Sanktionen betroffen.

Neben den Villen will Frankreich auch die Jachten reicher Russen in Beschlag nehmen. Zu finden sind diese in Häfen wie Cannes (vor allem während des Filmfestivals), Saint-Tropez und vor allem in Antibes, am sogenannten Kai der Milliardäre. Dort gibt es 18 Plätze für besonders große Jachten. Seit einigen Jahren ist der Jachthafen nicht mehr öffentlich zugänglich.

In Antibes ankerte auch häufig die 162 Meter lange Luxusjacht „Eclipse“ von Abramowitsch. Sie galt bis 2013 als größte Jacht der Welt und hatte unter anderem ein Kino, zwei Hubschrauberlandeplätze und ein eigenes Raketenabwehrsystem.

Nach Medienberichten war die „Eclipse“ Ende vergangenen Jahres in Barcelona zur Wartung und befindet sich derzeit in der Karibik. Die Boeing und die Jacht von Abramowitsch wird Frankreich somit voraussichtlich nicht konfiszieren können.