Die erste Sitzung unter Leitung des neuen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi in seinem Amtssitz, dem Palazzo Chigi. Foto: AP/dpa/Andrew Medichini

Italien ist ein wunderliches Land. Die Post, die Eisenbahn, die Wirtschaft, die Staatsschulden, die Mafia - die Klagen sind auf dem Stiefel überall zu hören. Die Politik ist für Außenstehende fast undurchschaubar, gepflegte Herren (Damen sind selten) mit korrekten Krawatten und tadellos sitzenden Anzügen machen die Dinge unter sich aus. 

Aber immer wieder schafft es das Land, fünftgrößter Handelspartner Deutschlands, aus scheinbar ausweglosen Situationen herauszukommen: Seit Jahrhunderten ist Italien, das wie Deutschland erst seit 1871 einen gemeinsamen Staat hat, an heftigen Streit zwischen den verschiedensten Mächten auf der Halbinsel gewöhnt. 

Der dann wieder - auf Zeit - beendet wird, so wie jetzt, wo das schrecklich von Corona und dessen wirtschaftlichen Folgen getroffene Land eine neue Regierung bekommen hat, die nur von den ganz Rechten nicht unterstützt wird.

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Man sollte die Probleme Italiens nicht kleinreden, die faschistische Vergangenheit mit Mussolini ist präsent, die Rechtsaußen der politischen Landschaft liegen auf der Lauer. Aber in Deutschland würde der Weltuntergang ausgerufen, wenn man wie südlich der Alpen die 67. Regierung nach dem Krieg hätte. Die Demokratie in Italien stolpert immer wieder mal, aber sie fällt nicht.  

Hochmut gegenüber den Italienern ist deshalb nicht am Platz. Sie schaffen es, ihr Parlament um mehrere hundert Sitze zu verkleinern, während Deutschland nur qualvoll eine Verringerung um ein Trüppchen Bundestagsabgeordnete hinbekam. Sie haben die vermutlich weltweit mutigsten Ermittlungsrichter, und wenn eine Autobahnbrücke eingestürzt ist, bauen sie binnen zwei Jahren eine neue. Mal abgesehen davon, dass sie besseren Kaffee machen ...