Ein Paar macht „Strandurlaub“: Normalerweise müsste hier der Po strömen, Italiens größter Fluss.
Ein Paar macht „Strandurlaub“: Normalerweise müsste hier der Po strömen, Italiens größter Fluss. AP/Luca Bruno

Italiens Regierung hat wegen der gravierenden Trockenheit in fünf Regionen im Norden den Notstand beschlossen. Bis zum Jahresende gilt er in der Lombardei, dem Piemont, der Emilia-Romagna, Venetien sowie Friaul-Julisch Venetien. Damit kann die Regierung einfacher Gelder und Hilfsmittel zur Bekämpfung der Folgen der Trockenheit in den Alpengebieten und den Gegenden entlang des Flusses Po frei machen. Rom stellte den Regionen 36,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Land wird seit Monaten von der schwersten Dürre sei 70 Jahren heimgesucht. Die Folgen gerade für die Landwirtschaft sind katastrophal. Beispielsweise wird die Reis-Ernte in der Po-Ebene nahezu vollkommen ausfallen: Der größte Fluss des Landes verwandelt sich gerade in eine Art Sandstrand, die Reisfelder sind trockengefallen.

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„Normalerweise sollte dieses Feld zwei bis fünf Zentimeter hoch unter Wasser stehen, aber jetzt sieht es aus wie ein Sandstrand“, sagt der Reisbauer Giovanni Daghetta aus Mortara in der Region Lomellina. Die Landwirte in dem Gebiet zwischen dem Po und den Alpen produzieren seit Jahrhunderten den berühmten Arborio-Reis, der für die Zubereitung von Risotto besonders gut geeignet ist.

Meteorologen sagen keinen Regen voraus

„Dieser Reis ist seit zwei Wochen nicht bewässert worden, und jetzt sind schon 90 Prozent der Pflanzen komplett vertrocknet“, sagt Daghetta. „Die restlichen zehn Prozent, die noch leicht grün sind, müssten innerhalb von zwei oder drei Tagen mit Wasser überschwemmt werden.“ Doch da die Meteorologen weitere trockene Tage vorhersagen, hat Daghetta  wenig Hoffnung.

Schon im März war der Po ein Rinnsal: Da tauchte ein Wehrmachts-Schlepper auf und konnte geborgen werden.
Schon im März war der Po ein Rinnsal: Da tauchte ein Wehrmachts-Schlepper auf und konnte geborgen werden. dpa/Simone Guidorzi

Wegen der Dürre, teilweise von Temperaturen über 40 Grad begleitet, haben mehrere italienische Regionen den Notstand ausgerufen, um Wasser zu sparen und die knappen Ressourcen besser zu verteilen. Die Stadt Verona hat  die Nutzung von Trinkwasser stark eingeschränkt. Von 6 Uhr bis 21 Uhr ist es verboten, Gärten und Sportplätze zu bewässern, Autos zu waschen und Schwimmbäder zu befüllen, wie Bürgermeister Damiano Tommasi am Wochenende verordnete. Bei Zuwiderhandlung drohen Strafen bis zu 500 Euro. Nachts bleibt alles erlaubt, die Bürger werden aber gebeten, es sein zu lassen. In Pisa ordnete Bürgermeister Michele Conti an, dass vom 11. Juli an Trinkwasser nur noch im Haushalt verwendet werden.

Reisbauer Giovanni Daghetta steht auf einem vertrockneten Reisfeld, das eigentlich unter Wasser stehen müsste. Die Gummistiefel hätte er sich sparen können.
Reisbauer Giovanni Daghetta steht auf einem vertrockneten Reisfeld, das eigentlich unter Wasser stehen müsste. Die Gummistiefel hätte er sich sparen können. AP/Luca Bruno

Selbst die reichste Stadt Italiens bekommt die Folgen der Trockenheit zu spüren. Der Bürgermeister von Mailand ließ vor wenigen Tagen per Verordnung öffentliche Springbrunnen abschalten, um Wasser zu sparen. Der Erzbischof der Stadt, Mario Delpini, betete auf einer Wallfahrt für „das Geschenk des Regens“ und segnete ein Feld in einer bäuerlichen Gemeinde außerhalb von Mailand.

Erzbischof betete um Regen, drei Tage später fielen vereinzelt Niederschläge

Seine Gebete wurden offenbar zumindest zum Teil erhört: Drei Tage danach regnete es in der Stadt und anderen Teilen Italiens vereinzelt. In den meisten Gegenden aber verschlimmert sich die Lage weiter. Mancherorts nutzen Anwohner ausgetrocknete Flussbetten inzwischen zum Sonnenbaden.

Die Pegelstände der Flüsse Po und Dora Baltea, der wichtigsten Wasserquellen der Region, sind nach Angaben des Bewässerungsverbands West Sesia acht Mal niedriger als sonst im Durchschnitt zu dieser Jahreszeit.  Deshalb stellte der Verband kürzlich die Bewässerung unter anderem von Pappeln und Obstbäumen ein, um dem Reis den Vorrang zu geben.

Nach Angaben eines Bauernverbands drohen der Landwirtschaft infolge der Dürre Ausfälle in Höhe von drei Milliarden Euro. Etwa 30 bis 40 Prozent der Ernte gehen demnach verloren.

Wasserverluste durch schlechte Leitungen

Neben Hitze und Trockenheit machen alte und schlecht gewartete Leitungsnetze Sorgen. Die nationale Statistikbehörde schätzt die Verluste von Trinkwasser aus dem Verteilernetz auf 42 Prozent pro Jahr.

Als Reaktion auf die Krise sammelt der italienische Zivilschutz gerade Informationen aus den Regionen und Ministerien, um einen umfassenderen Notstand für die betroffenen Gebiete vorzuschlagen. Hunderte Städte und Orte im Norden haben bereits zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Wasser aufgerufen. So soll vermieden werden, dass die kostbare Ressource rationiert werden muss.