Zahlreiche Särge liegen in einer Lagerhalle auf dem Gelände des Straßen- und Tiefbauamtes Dresden. Das Land bereitet sich aufgrund von schweren Corona-Erkrankungen auf eine Vielzahl von Toten vor. dpa/Sebastian Kahnert

Ist die Pandemie schon wieder auf dem Rückzug, oder sind die Gesundheitsämter schon nicht mehr in Lage, die aktuellen Corona-Zahlen zu bewältigen? Die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) werfen bei Experten große Zweifel auf. Denn scheinbar ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz leicht gefallen. Doch tatsächlich könnten dafür Defizite bei der Fallübermittlung die Ursache sein – und zwar ausgerechnet aus dem Bundesland mit den höchsten Corona-Inzidenzen ganz Deutschlands.

Das RKI gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Dienstagmorgen mit 432,2 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 441,9 gelegen, vor einer Woche bei 452,2 (Vormonat: 191,5). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 36.059 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 06.51 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 45.753 Ansteckungen.

Sachsen meldet auffällig wenig Fälle, doch es gab Probleme bei der Datenermittlung

Aber ausgerechnet aus Sachsen wurden im Laufe des Montags mit 949 Fällen auffallend wenig Infektionen gemeldet. Der Vorwochen-Wert betrug noch 6627! Die Erklärung lieferte das sächsische Sozialministerium: Demnach gab es Probleme bei der Datenübermittlung. Der niedrige Sachsen-Wert dürfte also die vom RKI veröffentlichten gesamtdeutschen Zahlen verzerren.

Bei der Bewertung des Infektionsgeschehens ist zu bedenken, dass Experten derzeit von einer merklichen Untererfassung ausgehen. Gesundheitsämter und Kliniken kommen demnach mit der Meldung von Fällen zumindest in einzelnen Regionen nicht mehr hinterher. Auch in Berlin klagt beispielsweise das Gesundheitsamt von Neukölln, das Personal komme nicht mehr hinterher, die gemeldeten Corona-Infektionen zu erfassen.

Fast 400 Corona-Tote in 24 Stunden

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 399 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 388 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 6.222.020 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 5,45 an (Montag: 5,32). Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Dienstag mit 5.170.400 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 103.520.