In Florida wurde Trump von Anhängern begrüßt, die seine Niederlage nicht hinnehmen wollten.   Foto: AFP / Eva Marie Uzcategui

In weiten Teilen der Welt wird begrüßt, dass Donald Trump nicht mehr US-Präsident ist. Zu verlogen, zu ungezogen, zu wirklichkeitsfern hatte er sich gebärdet. Der Mann, der sich immer als Widerständler gegen das politische Establishment profilieren wollte, ließ viele eben jenes Establishment, zu dem Joe Biden gehört, wieder schätzen lernen. 

Nun ist Trump weg, aber seine spalterische Politik hat tiefe Spuren in der US-Gesellschaft hinterlassen. Abermillionen US-Bürger, und nicht nur sie, halten ihm die Stange, wie sich in den „sozialen“ Medien auch in Deutschland zeigt. 

Denn Trump lag mit manchen Positionen durchaus richtig. Er hatte recht, wenn er Deutschland dazu drängte, mehr für Verteidigung auszugeben, weil Deutschland sich dazu verpflichtet hat. Er hatte recht mit dem Versuch, mit dem nordkoreanischen Diktator Kim über Atomwaffen zu verhandeln. Er hatte recht, China Paroli zu bieten, dessen Führung eine in Europa gern ignorierte, aggressive Expansionspolitik exekutiert, die Menschenrechte ganzer Ethnien mit Füßen tritt und Konkurrenz austrickst.  Er hatte recht, wenn er das Augenmerk auf an den Rand gedrängte Arbeitermilieus in den USA richtete.  

Nur war er unfähig, zu faul und beratungsresistent, daraus eine Politik zu machen, die nicht durch Hass, Verfolgungswahn und Lügen unglaubwürdig und zum Scheitern verurteilt wurde. 

Das jedoch könnte in Vergessenheit geraten, falls Biden es nicht schafft, das Selbstbildnis vieler Amerikaner von der tollsten aller Nationen mit den Schmerzen bei der Lösung ihrer Probleme in Einklang zu bringen - angefangen mit der Corona-Bekämpfung über den Klimaschutz, Rassismus und den Abbau der aberwitzigen Staatsverschuldung bis hin zur Klärung der Rolle der Supermacht in der Welt. Dann droht, dass 2024 der Wiedergänger Trump an die Macht zurückkehrt.