Feuerwehrleute löschen die Schäden an einem Gebäude nach einem Raketenangriff in Kiew. Ukrainian Police Department Press Service/AP/dpa

Es ist eine völlig irre Theorie, die einer von Russlands bekanntesten unabhängigen Journalisten jetzt äußert. Sein Eindruck, warum Kreml-Chef Wladimir Putin sein Land in den Krieg gegen die Ukraine stürzte, scheint absurd. Und doch ist sich Tichon Wiktorowitsch Dsjadko (34) sicher: Die Corona-Angst trieb Wladimir Putin in den Krieg!

Tichon Wiktorowitsch Dsjadko (34), Chefredakteur des TV-Senders Doshd, erklär in der Bild-Zeitung: „Ich glaube, dass Corona Putin verändert hat. Putin bekam schon vor dem Ausbruch der Pandemie nur eingeschränkte Informationen und befand sich nach dem Ausbruch von Covid-19 plötzlich in einer noch größeren Isolation.“

Putin hat große Angst vor Corona

Und weiter: „Er hat offenbar eine große Angst vor Corona – sonst hätte er sich auch nicht mit anderen Politikern und Generälen an den langen Tischen getroffen. Seit dem Ausbruch von Corona erhielt er nur verzerrte Informationen: So sagte man ihm, dass die Ukrainer ihn mit Blumen empfangen würden, dass die Ukraine eine schwache Armee habe und dass Russland eine sehr starke Armee besitze.“

Lesen Sie auch: Angst vor der Polizei: Abramowitschs Ex-Frau zittert um Millionen und Londoner Luxus-Leben >>

Alles Annahmen, die sich als falsch erwiesen haben. Und Tichon Dsjadko geht noch weiter: „Der Staat sah, dass Corona nicht nur für die Gesundheit schädlich war, sondern auch dazu führte, dass große Teile der Gesellschaft verarmten. Man befürchtete, dass diese Menschen rebellieren könnten. Deswegen beschloss der Kreml, damit aufzuhören, eine Demokratie zu spielen und sich zu einer Autokratie und später zu einer Diktatur zu entwickeln. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2021 die Verfolgungen der Oppositionellen verschärft. Und dann hat Putin beschlossen, mit dem Angriff auf die Ukraine noch einen Schritt weiterzugehen.“

Blick auf durch den Beschuss der russischen Armee zerstörte Häuser in Butscha unweit der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Ukrinform/dpa

Ein Schritt, der Tichon Dsjadko und seine Kollegen dazu zwang, aus Russland zu flüchten. Journalisten, die dort nicht nach Vorgaben des Staates berichten, werden mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft – so sieht es ein neues Gesetz vor. Beide Kammern des russischen Parlaments stimmten Anfang März für ein Gesetz, durch das die Weitergabe von „falschen“ Berichten zur Straftat wird.

Lesen Sie auch: Westen, was nun? Nato, G7 und EU beraten in Brüssel zum Ukraine-Krieg >>

Niemand in Russland hatte mit einem Krieg gerechnet

Der 34-Jährige lebt nun laut Bericht der Bild zusammen mit seiner Frau in Georgien, wo er einen YouTube-Kanal gestartet hat, um weiterhin über Putins Krieg in der Ukraine zu berichten. „Für mich war der Kriegsbeginn ein Schock. Es war auch ein Schock für die meisten Menschen in Russland und auch der politischen Eliten. Niemand hätte es für möglich gehalten, dass es passieren würde“, sagt Tichon Dsjadko.

Lesen Sie auch: Haben Putins Schergen Ukraine-Helfer in Deutschland ins Visier genommen? >>

Deshalb nimmt er auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Schutz. „Niemand hätte es für möglich gehalten, dass es passieren würde. Ich bin auch überzeugt, dass als Außenminister Lawrow davon sprach, dass es keinen Krieg geben wird, dass er da nicht gelogen hat. Er hat zu diesem Zeitpunkt ehrlich geglaubt, dass es keinen Krieg geben wird“, vermutet Tichon Dsjadko.