Kampf um Leben und Tod auf einer Intensivstation. dpa/Eduardo Parra

Es ist so weit: Intensivstationen im Osten und im Süden Deutschlands laufen voll, transportfähige Covid-Patienten werden in andere Bundesländer verlegt, wo die Corona-Lage noch beherrschbar ist. Die norddeutschen Bundesländer werden in den kommenden Tagen zehn Corona-Patienten aus Ostdeutschland aufnehmen. Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Niedersachsen werden die Verlegung der Intensivpatienten organisieren, wie das niedersächsische Innenministerium am Donnerstag in Hannover mitteilte. Hintergrund ist das sogenannte Kleeblatt-Konzept zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten.

Bayern und vier weitere Bundesländer hatten vor dem Hintergrund der steigenden Auslastung der bundesweiten Intensivstationen am Dienstag offiziell das Konzept aktiviert. In diesen Tagen soll eine größere Zahl von Patienten aus Bayern, Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg in andere Regionen verlegt werden.

Verlegung von Covid-Kranken in andere Bundesländer verhindert Triage-Entscheidung

Das Verlegungskonzept wurde in der Corona-Pandemie entwickelt, um bei einer hohen regionalen Auslastung der Intensivstationen die Verteilung von Patienten zu erleichtern. Die 16 Bundesländer sind dabei in fünf Gruppen aufgeteilt – die Kleeblätter Nord, Ost, Süd, Südwest und West. Die Länder Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg gehören zum „Kleeblatt Ost“, Bayern bildet das „Kleeblatt Süd“. Im Osten und Süden Deutschlands sind die Sieben-Tage-Inzidenzen bei den Corona-Infektionen derzeit besonders hoch. Ohne die Möglichkeit, Covid-Patienten verlegen zu können, hätte die Gefahr bestanden, diese nicht mehr auf Intensivstationen behandeln zu können. Mediziner hätten vor der berüchtigten Triage-Entscheidung gestanden: Ein freies Intensivbett würde im Zweifelsfall der- oder demjenigen zukommen, der die bessere Überlebenschance hätte. 

„Es war wichtig, dass wir die Möglichkeit der Verlegungen von auf Intensivbetreuung angewiesenen Patienten schon zu Beginn der Pandemie mit initiiert haben“, erklärte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD). Damit würden die besonders stark von der Pandemie betroffenen Bundesländer unterstützt. Pistorius appellierte noch einmal eindringlich an alle, sich impfen zu lassen.

Nachfrage nach Corona-Schnelltests europaweit stark gestiegen

Mit dem Inkrafttreten der neuen Corona-Vorschriften werden in Deutschland die Corona-Schnelltests knapp. „Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz ist die Nachfrage nach kostenlosen Bürgertests und nach Selbsttests in den Apotheken am Mittwoch explodiert“, sagte der Chef des Apothekerverbands Nordrhein, Thomas Preis, der Rheinischen Post (Donnerstagausgabe): „Die Lieferzeiten werden von Tag zu Tag länger.“

Als Ursache nannte der Verbandschef die wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen europaweit steigende Nachfrage nach den Tests. In Deutschland etwa müssen nun Arztpraxen und Gesundheitsdienstleister ihr Personal täglich testen. Hinzu kämen Probleme in der Lieferkette: „Fast alle Schnelltests kommen aus China. Ist die Ware in Deutschland, erweist sich der Zoll als Hürde“, sagte Preis. Es werde noch einige Wochen dauern, „bis wir sicher wissen, ob die erhöhte Nachfrage nach Tests bedient werden kann“.