Die Welle von Covid-19-Patienten könnte bald die Intensivstationen überrollen. Foto: dpa/Joe Giddens

20.472 neue Corona-Infektionen meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Kock-Institut, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg Samstag früh auf 124,9. Am Freitag hatte das RKI die Inzidenz noch mit 119,1 angegeben, vor zwei Wochen lag sie bei 76,1.

Trotzdem wollen mehrere Bundesländer in Modellregionen Maßnahmen lockern. Das Saarland will nach Ostern sogar das ganze Land öffnen – bisher auch ohne eine Befristung. Auch andere Bundesländer, wie auch Berlin, wollen trotz Inzidenzen über 100 nicht die vereinbarte Notbremse ziehen.

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Intensivmediziner fürchten deshalb das Schlimmste und wollen die Katastrophe auf den Intensivstationen noch verhindern. „Die Beschlüsse für Modellprojekte nach Ostern sind völlig unpassend und müssen von Bund und Ländern sofort zurückgenommen werden“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, der Rheinischen Post.

Zwei Wochen langer Lockdown nötig

Es brauche eine Mischung aus hartem Lockdown, vielen Impfungen und Tests. Nur so lasse sich ein Überlaufen der Intensivstationen noch verhindern, mahnte er. Deutschland stehe erst am Anfang eines massiven Anstiegs von Intensivpatienten. „Wenn jetzt keine Maßnahmen für einen bundesweiten harten Lockdown von zwei Wochen ergriffen werden, müssen wir bald wieder mit einer historischen Spitzenbelastung der Intensivstationen mit Covid-19 rechnen“, sagte Karagiannidis und bat „die Politik, das Krankenhauspersonal nicht im Stich zu lassen.“

Auch andere Mediziner und Virologen hatten den Öffnungskurs mancher Länder kritisiert. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte erneute Corona-Beratungen. „Wir müssen rasch noch mal neu verhandeln“, so Lauterbach im Tagesspiegel. „Ohne einen scharfen Lockdown wird es nicht gehen“, betont er und verteidigt seine Forderung nach bundesweiten Ausgangssperren.

„Ausgangsbeschränkungen ab 20 Uhr für zwei Wochen würden wirken – wir haben es in Frankreich, Großbritannien und Portugal gesehen.“ Für Lauterbach ist „es ganz klar, dass wir im exponentiellen Wachstum sind und innerhalb von kurzer Zeit Tageszahlen von 30.000, 40.000, 50.000 Infizierten erreichen können.“

Inzwischen sprechen sich auch wieder mehr Menschen für eine Verschärfung als eine Lockerung der Maßnahmen aus, wie das ZDF-Politbarometer ergab. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) will sie verschärfen, knapp ein Drittel (31 Prozent) beibehalten und ein Viertel (26 Prozent) lockern.