Eine Seniorin im Pflegeheim – in Hessen verlieren jetzt mehr als 100 Senioren ihr Zuhause, weil ihre Einrichtung schließen muss. 
Eine Seniorin im Pflegeheim – in Hessen verlieren jetzt mehr als 100 Senioren ihr Zuhause, weil ihre Einrichtung schließen muss.  imago/photothek

Die explodierenden Kosten für Strom und Gas machen den Deutschen zu schaffen. Wer kann, der spart und hofft, die Mehrkosten stemmen zu können. Für Heimbewohner in Hessen hat der Teuer-Schock jetzt zum Jahresbeginn dramatische Folgen: Ihr Pflegeheim muss wegen des Teuer-Gases dichtmachen! 107 Bewohner und Bewohnerinnen verlieren mitten im Winter ihr Zuhause, in dem manche schon seit bis zu 15 Jahren leben. Der Berliner Betreiber geriet nach eigenen Angaben durch die Corona-Pandemie und der enorm gestiegenen Energiekosten in Schieflage und zog jetzt die Reißleine.

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Völlig überraschend hatte die Geschäftsleitung die Schließung des Seniorenwohnzentrums Am Kurpark in Bad Soden-Salmünster zum 31. März bekannt gegeben. Bewohner und Personal waren ebenso überrumpelt wie die Verantwortlichen in der Kreisverwaltung.

Bürgermeister: Schließung ist für Bewohner und Beschäftigte katastrophal

„Persönlich fehlen mir die Worte, um das Ausmaß zu beschreiben, denn neben den zusätzlich verlorenen Arbeitsplätzen kommt es gerade für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Angehörige einer Katastrophe gleich“, kommentierte der parteilose Bürgermeister Dominik Brasch im sozialen Netzwerk Facebook das Aus für die Pflegeeinrichtung. „Immerhin sprechen wir von rund 100 Menschen, die jetzt einen neuen Pflegeplatz benötigen, und einer Vielzahl von Mitarbeitern, die sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen müssen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Kreis und Stadt.

Betreiber meldete Insolvenz an

Teils durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, aber auch durch stark gestiegene Energiekosten und allgemeine Preissteigerungen seien Teile der Firmengruppe „in eine finanzielle Schieflage“ geraten, begründete die Berliner Curata Care Holding GmbH den drastischen Schritt. Die Firma betreibt an gut 40 Standorten in Deutschland Pflegeeinrichtungen mit insgesamt rund 4000 Betten und 3000 Mitarbeitern.

In Bad Soden-Salmünster sind es insgesamt 204 Wohn- und Pflegeplätze. Verschärft wurde die finanzielle Schieflage dort auch durch den Mangel an Pflegekräften. Dadurch konnten Wohnplätze nicht vergeben werden und so letztlich wirtschaftlich notwendige Belegungsquoten nicht erreicht werden, erklärte der Betreiber. Ein Gebäudetrakt war aus Spargründen bereits geschlossen worden, doch nun folgt das komplette Aus samt Insolvenzverfahren für einzelne Gesellschaften der Curata-Gruppe. 

Bewohner müssen bis 31. März umziehen

Den etwa 100 Beschäftigten würde ein Jobangebot an anderen Standorten gemacht, versprach der Betreiber. Und „selbstverständlich sorgen wir dafür, dass betroffene Bewohnerinnen und Bewohner ein neues Zuhause erhalten“, so Peter Paul Gruber von der Curata Care Holding GmbH.

Nur sind die nächstgelegenen Einrichtungen von Curata weit entfernt! Das ist sowohl für die zu pflegenden Personen als auch für deren Angehörige nicht in jedem Fall machbar, mahnen Kreis und Stadt. „Wir sind aus diesem Grund dabei, Angebote innerhalb des Landkreises zu organisieren“, heißt es in ihrer gemeinsamen Mitteilung. Gerade für die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen sei es wichtig, dass Pflegeplätze in der Region gefunden würden, damit sie für Besuche keine weiten Wege in Kauf nehmen müssten.