Natalia and Dmitri Protassewitsch bei ihrem Auftritt in Warschau. imago/ZUMA Wire

Die Eltern des nach der erzwungenen Landung eines Passagierflugzeugs in Belarus festgenommenen Regierungskritikers Roman Protassewitsch haben bei einer Demonstration in Warschau die EU und die USA zur Hilfe aufgerufen.

Sie appelliere an alle EU-Länder sowie die USA, „uns bei der Befreiung Romans“ und von dessen Partnerin Sofia Sapega zu helfen, sagte Protassewitschs Mutter Natalia am Samstag bei der Kundgebung.

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„Wir wollen in einem freien Land leben, in einem Land, in dem jeder das Recht hat, seine Überzeugungen auszudrücken“, fügte Protassewitschs Vater Dmitri hinzu. An der Solidaritätskundgebung für die belarussische Opposition in der polnischen Hauptstadt nahmen Hunderte Menschen teil.

Die Menge rief „Lang lebe Belarus!“ und hielt Fahnen mit den rot-weißen Farben der belarussischen Opposition hoch. Auf Spruchbändern wurde Belarus unter anderem als „Nordkorea in der Mitte Europas“ bezeichnet.

Auch in Vilnius demonstrierten am Samstag mehrere Hundert Menschen gegen den belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko. Angeführt wurde der Protest in der litauischen Hauptstadt von der belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, die im Exil in Litauen lebt.

Angesichts des internationalen Proteststurms nach der erzwungenen Landung der Ryanair-Maschine und der anschließenden Festnahme von Protassewitsch und seiner Freundin hatte der russische Präsident Wladimir Putin seinem belarussischen Kollegen bereits am Freitag demonstrativ den Rücken gestärkt.

Millionenkredit für Lukaschenko aus Moskau

Er stimmte Lukaschenko darin zu, dass die „emotionale“ Reaktion des Westens auf den Vorfall überzogen gewesen sei. Lukaschenko warf dem Westen erneut vor, sein Land destabilisieren zu wollen.

Der Kremlchef sicherte Machthaber Alexander Lukaschenko bis Ende Juni einen Kredit von 500 Millionen US-Dollar (410 Millionen Euro) zu. Die ehemalige Sowjetrepublik steht in Moskau jetzt schon mit Milliarden in der Kreide.

Die Ryanair-Maschine mit dem regierungskritischen Blogger Roman Protassewitsch an Bord war vergangenen Sonntag auf dem Weg von Athen nach Vilnius wegen einer angeblichen Bombendrohung zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen worden.