Bei den Biomärkten sinkt der Absatz wegen der hohen Preise imago

Hört sich gut an: Leichtes Heizöl ist im April 20 Prozent billiger gewesen als im März. Doch das ist nur ein statistischer Schlenker: Das Öl war dennoch nahezu doppelt so teuer wie  im April 2021. Insgesamt treibt alles, was für Heizung, Stromerzeugung oder den Betrieb von Verbrennungsmotoren nötig ist, die Inflation nach oben.  Preissteigerungen erfassen aber zunehmend mehr Bereiche des täglichen Lebens. Im April lagen die Verbraucherpreise um 7,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Sommer will die Europäische Zentralbank gegensteuern.

Die Geldentwertung erreichte den höchsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Von März bis April 2022 stiegen die Preise um 0,8 Prozent.

Im April verteuerte sich Energie gegenüber dem Vorjahresmonat um 35,3 Prozent, für Sprit (38,5 Prozent) und Erdgas (47,5 Prozent) mussten Verbraucher deutlich mehr zahlen, für Heizöl die genannte Verdoppelung.

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Nahrungsmittel verteuerten sich überdurchschnittlich um 8,6 Prozent. Besonders deutlich stiegen die Preise unter anderem für Speisefette und Speiseöle (27,3 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (11,8 Prozent). Daneben kosteten auch andere Waren innerhalb eines Jahres deutlich mehr, etwa Fahrzeuge (8,9 Prozent) und Geräte der Informationsverarbeitung (8 Prozent).

Wer sparen will, in dem er nichts ausgibt, verliert: Zurückgelegtes Geld wird weniger wert

Die Menschen müssen sich nach Einschätzung von Ökonomen vorerst weiter auf hohe Teuerungsraten einstellen, auch weil viele Unternehmen die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten teilweise weitergeben und die Preise erhöhen. Für das Gesamtjahr rechneten Volkswirte zuletzt mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 6 bis 7 Prozent. 2021 lag die Rate im Schnitt bei 3,1 Prozent.

Angesichts der rasant gestiegenen Inflation wächst die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Euroraum in diesem Sommer. Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, hat das am Mittwoch auch angekündigt, nachdem mehrere Mitglieder des obersten Entscheidungsgremiums des Europäischen Zentralbank, des EZB-Rats, das schon ins Gespräch gebracht hatten. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel mahnte: „Da die Inflation im Euroraum weiter hoch ist, müssen wir handeln.“

Die Zentralbanken der USA und Großbritanniens hatten ihre Leitzinsen bereits angehoben. Damit soll die umlaufende Geldmenge verringert und so der Entwertung des Geldes gegengesteuert werden.

Aktuell wirkt sich diese Entwertung auf verschiedene Weise aus. Viele Deutsche sparen sich beispielsweise Bio-Lebensmittel. Bioläden und Bio-Supermärkte verkauften in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich weniger Ware als im Vorjahreszeitraum, teilte der  Bundesverband Naturkost Naturwaren mit. Im Schnitt lagen die Tagesumsätze im März schon mehr als 18 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Sparen beim Bio-Einkauf von Marken-Lebensmitteln

Das Marktforschungsunternehmen GfK relativierte allerdings in einer aktuellen Studie die Umsatzeinbußen im Bio-Bereich. Zwar sei das Geschäft mit Bio-Produkten im ersten Quartal rückläufig gewesen, doch seien die Umsatzeinbußen im Bio-Bereich geringer ausgefallen als bei den Konsumgütern insgesamt. „Daher lässt sich durchaus behaupten, das Bio weiter relativ im Trend ist“, betonten die Marktforscher.

Die Kunden greifen demnach beim Kauf von Bio-Produkten angesichts der aktuellen Preissteigerung vermehrt zu den Eigenmarken der Handelsketten und lassen die teureren Produkte der Markenhersteller links liegen. Die Bio-Eigenmarken der Händler erzielten laut Gfk in den ersten drei Monaten ein Umsatzplus von gut neun Prozent. Die Bio-Markenhersteller büßten dagegen elf Prozent an Umsatz ein.

Insgesamt zeigen sich 85 Prozent der Menschen in Deutschland wegen der hohen Preissteigerungen besorgt. Viele  wollen ihre Ausgaben für Möbel, Elektronik, Schmuck und Sportartikel reduzieren, um mit den steigenden Preisen zurecht zu kommen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung PwC hervor.

Sparen durch Verzicht auf den Kauf von Dingen, die man nicht unbedingt braucht

„Viele Haushalte werden aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten auf Anschaffungen verzichten, die nicht unbedingt notwendig sind. Das betrifft insbesondere langlebige Konsumgüter, die nicht hauptsächlich dem Ersatz dienen, wie  Möbel oder bestimmte Elektronikartikel“, fasste der PwC-Handelsexperte Christian Wulff das Ergebnis der Umfrage zusammen.

Jeder dritte Befragte erklärte demnach, Anschaffungen bei Möbeln, Elektronik, Schmuck und Uhren zurückstellen zu wollen, um weitere Preissteigerungen bewältigen zu können. Auch bei Bekleidung und Sportartikeln wollen sich viele auf das Notwendige beschränken oder auf günstigere Produkte umschwenken.

Sparen durch den Kauf von Marken-Kleidung aus zweiter Hand

Ein Viertel will vermehrt Sonderangebote kaufen oder von klassischen Markenprodukten auf günstigere Alternativen umsteigen. Fashion-Artikel großer Marken seien weiterhin beliebt, würden aber auch zunehmend aus dem Secondhand-Angebot erworben.

Umweltschutz und soziale Produktionsbedingungen sind für mehr als ein Drittel der Menschen angesichts der aktuellen Herausforderungen nicht mehr so wichtig wie früher. 36 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: „Aufgrund steigender Preise verlieren Nachhaltigkeitsaspekte an Bedeutung – ich achte nun mehr auf Preise“.