Auch die Preise für Benzin und Diesel sind in den letzten Wochen in Deutschland stark gestiegen. dpa

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind zum Jahresende weiter gestiegen. Die Inflationsrate kletterte von 5,2 Prozent im November auf voraussichtlich 5,3 Prozent im Dezember, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Das war der höchste Stand seit Juni 1992. Im Gesamtjahr 2021 betrug die Teuerung demnach im Jahresdurchschnitt 3,1 Prozent zum Vorjahr – das ist der höchste Wert seit 1993.

Besonders stark stiegen im Dezember des vergangenen Jahres wie auch in den Vormonaten die Energiepreise: Ihr Anstieg betrug 18,3 Prozent, wie das Statistikamt aufgrund vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilte. Nahrungsmittel wurden demnach im Jahresvergleich um 6,0 Prozent teurer, Dienstleistungen, darunter Wohnungsmieten, um 3,1 Prozent.

Im Vergleich zum November legten die Verbraucherpreise den Angaben zufolge um 0,5 Prozent zu.

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor. Besonders hart trifft es Ökonomen zufolge ärmere Haushalte. Denn sie müssen einen großen Teil ihres Einkommens für lebensnotwendige Güter wie Wohnen oder Lebensmittel aufwenden. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Verena Bentele, sprach von einem „Desaster für alle Menschen mit niedrigem Einkommen und Bezieher von Grundsicherung. Die wachsende Unsicherheit, wie sie das alltägliche Leben künftig finanzieren sollen, ist eine starke Belastung“.

Angst vor weiter steigenden Preisen

Auch für Sparer sind steigende Teuerungsraten bitter. Nach Berechnungen der Commerzbank-Tochter Comdirect gemeinsam mit Barkow Consulting sank der Realzins - also der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate - im vierten Quartal 2021 weiter auf das Rekordtief von minus 4,93 Prozent. Demnach verloren Sparer in Deutschland im vergangenen Jahr in Summe 80 Milliarden Euro wegen niedrig verzinster Einlagen.

Die Sorge der Menschen in Deutschland wächst einer Umfrage zufolge, dass sich das Leben in Deutschland noch stärker verteuern wird. 54 Prozent der Befragten rechnen mit weiter steigenden Verbraucherpreisen, wie RTL/ntv am Donnerstag anhand aktueller Forsa-Daten berichteten. Bei der Befragung zwei Wochen zuvor hatten sich den Angaben zufolge 45 Prozent entsprechend geäußert.

Auch Ökonomen wie Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sind überzeugt: „Die Inflationsrisiken weisen klar nach oben – nicht nur in Deutschland, sondern auch im Euroraum“, auch wenn die Inflationsrate nach der Jahreswende wegen des Wegfalls von Sonderfaktoren sinken sollte.