Tomaten sind in Berlin binnen eines Jahres um mehr als ein Fünftel teurer geworden. dpa/Moritz Frankenberg

Wiesbaden - Die Inflationsrate ist im Januar etwas zurückgegangen, allerdings längst nicht so stark, wie viele Ökonomen erwartet hatten. Das zeigen (vorläufige) Zahlen des Statistischen Bundesamts.Die Preise lagen gegenüber dem Januar 2021 um 4,9 Prozent höher, gegenüber dem Dezember 2021 um 0,4 Prozent. Im Dezember hatten die Werte bei 5,3  und 0,5 Prozent gelegen.

Erwartet worden war, dass die Geldentwertung deutlicher abnimmt. Denn im zweiten Halbjahr 2021 waren die Preise immer mit denen des zweiten Halbjahrs 2020 verglichen worden, als die Mehrwertsteuer wegen der Corona-Wirtschaftskrise von 19 auf 16 beziehungsweise von 7 auf 5 Prozent gesenkt worden war. Da mussten die Preise rein rechnerisch steigen.

Seit 2022 ist dieser Effekt weg, und dennoch bleibt die Inflation hoch: Denn allein Strom und Gas für die Haushalte sowie Benzin und Diesel waren 20,5 Prozent teurer als im Januar 2021. Nahrungsmittel wurden um 5 Prozent teurer. Dagegen nahm sich die Steigerung der Kaltmieten um 1,4 Prozent beinahe mickrig aus.

Brenn- und Treibstoffe sind unter anderem deshalb teurer geworden, weil jede Tonne Kohlendioxid, die ihre Verbrennung verursacht, den Käufern Gas, Öl, Diesel oder Benzin mit 30 Euro berechnet wird. Das sind fünf Euro mehr als 2021. Damit soll der Verbrauch gesenkt werden, um die Erderwärmung durch das Klimagas CO2 einzuschränken.

Die Inflation in Berlin und Brandenburg

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat für die Hauptstadt und das Bundesland drumherum schon präzisere Zahlen.

In Berlin stiegen die Preise im Januar binnen Jahresfrist um 4,8 Prozent, in Brandenburg um 5,2. Gegenüber Dezember lag die Inflation jeweils bei 0,4 Prozent.

Preistreiber waren auch weiterhin überdurchschnittlich gestiegene Preise für Energie und Nahrungsmittel. Rechnet man sie heraus, lag die jährliche Teuerung in Berlin bei 2,7  und in Brandenburg bei 3,4 Prozent.

Die stärksten Preistreiber bei Lebensmitteln gegenüber Januar 2021

  • Roggen- oder Mischbrot in Berlin +11,2 Prozent und in Brandenburg +6,9 Prozent
  • Rindfleisch zum Schmoren oder Braten in Berlin +11,7 Prozent und in Brandenburg +6,4 Prozent
  • Sonnenblumen-, Rapsöl oder Ähnliches in Berlin +39,5 Prozent und in Brandenburg +36,9 Prozent
  • Butter in Berlin +16,8 Prozent und in Brandenburg +22,6 Prozent
  • Eier in Berlin +12,3 Prozent und in Brandenburg +14,8 Prozent
  • Kartoffeln in Berlin +13,4 Prozent und in Brandenburg +26,0 Prozent
  • Tomaten in Berlin +22,4 Prozent und in Brandenburg +28,8 Prozent
  • Bohnenkaffee in Berlin +8,0 Prozent und in Brandenburg +8,3 Prozent

Merklich billiger geworden sind in Berlin eigentlich nur Bekleidung und Schuhe: 3,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. In Brandenburg wurden sie dagegen um 0,1 Prozent teurer. Gegenüber Dezember sanken die Preise hier in Berlin um 4,4, in Brandenburg um 3,2 Prozent.

Was wird die Europäische Zentralbank gegen die Geldentwertung tun?

„Die unerwartet hohe Teuerungsrate von 4,9 Prozent im Januar geht vor allem auf das Konto der rasant gestiegenen Preise für Gas und Strom, wobei noch lange nicht alle Versorger ihre Absatzpreise an die erhöhten Einkaufspreise angepasst haben“, erläuterte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Inflation werde im weiteren Jahresverlauf langsamer zurückgehen, als von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhofft. „Wegen der gestiegenen Inflationsrisiken sollte die EZB den Fuß vom Gas nehmen.“

Die Notenbank strebt eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent im Euroraum an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten zu akzeptieren. Kritiker werfen der EZB jedoch vor, mit ihrer sehr lockeren Geldpolitik, mit deren Hilfe die Wirtschaft am Laufen gehalten werden soll, die Teuerung anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will.

Eine baldige Zinserhöhung im Euroraum ist vorerst nicht in Sicht. EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane hatte erst jüngst die Einschätzung bekräftigt, wonach die Inflation im Laufe des Jahres deutlich zurückgehen sollte.

Nach Einschätzung der DZ Bank dürfte sich ein deutlicher Rückgang der Teuerungsraten noch weiter in die Zukunft verschieben. „Ob das aber etwas an der zögerlichen Haltung der Notenbank ändert, dürfte vorerst bezweifelt werden“, sagte DZ Bank-Chefvolkswirt Michael Holstein.

... und was die Bundesregierung?

Die Bundesregierung könnte die Ökostromumlage bereits im Sommer abschaffen, um die Verbraucher zu entlasten. „Wenn die Koalition sich darauf verständigt, dann würde ich es finanziell möglich machen, dass die EEG-Umlage zur Jahresmitte entfällt“, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) dem Spiegel. Die EEG-Umlage über die Stromrechnung soll nach den bisherigen Plänen der Bundesregierung  zum 1. Januar 2023 abgeschafft werden, die Förderung des Ökostroms dann aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.