In Kitas sind derzeit sehr viel mehr Kinder in Notbetreuung als im Frühjahr 2020. Wird dies jetzt unterbunden? Foto: imago images/Stefan Trappe

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will keine Zeit verlieren, schon am Dienstag mit den Regierungschefs und -chefinnen der Länder über die Verlängerung und mögliche Verschärfungen des Corona-Lockdowns beraten. Doch wo könnten Bund und Länder überhaupt noch die Corona-Beschränkungen verschärfen?

Homeoffice-Pflicht: Portugal und die Schweiz haben bereits Beschlüsse gefasst, Firmen so weit es möglich ist zur Heimarbeit zu verpflichten. In Deutschland könnte dies ebenfalls über eine Verordnung des Arbeitsministers Hubertus Heil (SPD) durchgesetzt werden. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach will Unternehmen durch eine Homeoffice-Pflicht stärker in die Verantwortung nehmen: „Im ersten Lockdown hatten wir ein Viertel der Arbeitsplätze im Homeoffice, jetzt ist es nur noch ein Siebtel“, so Lauterbach in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir haben eine viel stärkere Welle, aber wir machen viel weniger Homeoffice.“

Herunterfahren der Wirtschaft: Die Zahl der Befürworter eines kurzen, totalen Lockdowns wächst. Letztlich sei „ein kompletter Lockdown von zwei bis drei Wochen besser als eine endlose Hängepartie“, sagte etwa Thorsten Frei, der Vizevorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, dem Spiegel. Auch die Grünen wollen in der Arbeitswelt ansetzen, um Kontaktbeschränkungen zu verschärfen.

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Die Initiative #ZeroCovid verlangt sogar ein europaweites Herunterfahren der Wirtschaft. Doch vor dem Lockdown für Betriebe schrecken Bund und Länder noch zurück. „Wenn wie im vergangenen Frühjahr die globalen Lieferketten durch einen Lockdown erneut unterbrochen werden, droht eine tiefe Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit“, warnte die Präsidentin des CDU-Wirtschaftsrates, Astrid Hamker, gegenüber der Funke-Mediengruppe. Zudem fordert der Verband klare Perspektiven und einen konkreten Fahrplan für den stationären Handel.

Grenzschließungen: Für Einreisen nach Deutschland aus Ländern mit hohen Corona-Infektionszahlen gelten bereits strengere Test-Pflichten. Doch es könnten jetzt Grenzkontrollen oder gar -schließungen kommen. Sollte sich die Mutation aus Großbritannien weiter ausbreiten, müsse man über Verschärfungen reden, meint Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hält es sogar für „notwendig, dass Regionen, in denen eine hohe Zahl von Mutationen nachgewiesen wurde, komplett abgeriegelt werden und kein Flugverkehr mehr möglich ist“. Derzeit beträfe das Großbritannien und Irland.

Mobilität eindämmen: Dies müsste erfolgen, weil die bestehenden Kontaktbeschränkungen nicht ausreichen, um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu senken. Die Bevölkerung schränke ihre Mobilität deutlich weniger ein als im ersten Lockdown im Frühjahr, beklagte auch Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts.

Einen Bericht der Bild-Zeitung, wonach im Kanzleramt über die Einstellung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs nachgedacht werde, hat Merkel nach Angaben mehrerer Teilnehmer zwar zurückgewiesen. Der Berliner Epidemiologe Dirk Brockmann brachte allerdings statt des bisher geplanten Bewegungsradius von 15 Kilometern in Corona-Hotspots einen Radius von nur 1 Kilometer ins Gespräch.

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Denn weite Strecken bis 15 Kilometern beträfen nur 5 bis 20 Prozent der Mobilität, so Brockmann. Damit könnten zwar Tagesausflüge in den Harz vermieden werden, doch „ganz viele Mobilität findet auf engerem Raum statt“, erklärt der Epidemiologe an der Berliner Humboldt-Universität.

„Wird der Radius auf einen Kilometer verringert, dann erwischt man viel mehr Mobilität. Und dadurch reduziert man dann auch letztendlich Kontakte, die im öffentlichen Personennahverkehr und auf der Fahrt ins Büro entstehen.“

Schulen und Kitas: Bis zu 40 Prozent der Kita-Kinder sind derzeit in Notbetreuung. Dies könnte durch eine Notbetreuung in Kindergärten und Schulen nur für Eltern in systemrelevanten Berufen verschärft werden.

Ausgangssperren: Einige Bundesländer wie Bayern, Hessen und Baden-Württemberg haben bereits Ausgangssperren verhängt, ebenso europäische Nachbarländer. In Frankreich gilt sie ab dem 16. Januar sogar schon ab 18 Uhr. Eine solche Regelung wäre bundesweit auch in Deutschland denkbar.

FFP2-Maskenpflicht: Seit Montag gilt sie in Bayern in Geschäften sowie Bussen und Bahnen. Jetzt könnte die Regelung auch bundesweit eingeführt werden, um den Infektionsschutz zu erhöhen. Doch es gibt auch Kritik. Weil die wirksameren FFP2-Masken auch erheblich teurer sind als Alltagsmasken, sieht Linke-Chefin Katja Kipping durch eine Pflicht vor allem arme Menschen benachteiligt. Experten warnen, Träger könnten sich durch den Einsatz der Masken geschützter fühlen und deshalb weniger vorsichtig sein.

Pflegeheime: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) schließt eine erneute Verschärfung der Corona-Beschränkungen für Besuche in Alten- und Pflegeheimen nicht aus. Sachsens Landeschef Michael Kretschmer (CDU) will beim Treffen ein generelles Betretungsverbot von Pflegeheimen vorschlagen, sofern kein negativer Schnelltest vorliegt.