Kommt jetzt die vierte Impfung? dpa

Wird eine vierte Spritze gegen Corona nötig oder gar Pflicht? Und müssen alle sich den Piks mit dem erwarteten speziellen Impfstoff gegen die Omikron-Variante abholen? Auf der Grundlage von Daten aus Israel empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) jetzt eine vierte Impfung gegen das Coronavirus. Doch für welche Bevölkerungsgruppen ist sie sinnvoll und was bringt sie wem?

Aktuelle Daten zeigen, dass der Schutz nach der ersten Auffrischimpfung gegen Infektionen mit der momentan zirkulierenden Omikron-Variante innerhalb weniger Monate abnimmt, erklärte die Stiko. Wie Studien aus Israel ergaben, ist eine Omikron-Infektion zwar auch nach der vierten Spritze immer noch möglich. Aber der Schutz vor schwerer Krankheit ist nach der vierten Impfung drei- bis fünfmal so hoch.

Die Stiko empfiehlt deshalb in der Omikron-Welle besonders stark gefährdeten Gruppen sowie Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich die Viertimpfung. So gilt die Empfehlung demnach unter anderem für über 70-Jährige, für die Bewohner von Altenheimen und Menschen mit Immunschwächekrankheiten ab fünf Jahren. Ebenso greift sie für die Beschäftigen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen insbesondere mit direktem Patientenkontakt.

Zweiter Booster frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischung

Menschen, die nach einer ersten Auffrischungsimpfung noch einmal eine Corona-Infektion durchgemacht haben, brauchen nach Einschätzung des Gremiums jedoch keinen zweiten Booster.

Der zweite Booster soll bei gesundheitlich stark gefährdeten Menschen frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung verabreicht werden. Beschäftigte im Gesundheitswesen sollen ihn frühestens nach einem halben Jahr bekommen.

Mit Blick auf die Impfstoffe, die an die Omikron-Variante angepasst wurden, müsse die Kommission dagegen zunächst auf die Daten aus den klinischen Studien von Moderna und Biontech/Pfizer warten, betonte Stiko-Chef Thomas Mertens.

Der Omikron-Impfstoff soll im März auf den Markt kommen. Deutschland hat vorab bereits rund 80 Millionen Dosen des neuen Biontech-Vakzins bestellt. Die Auslieferung ist voraussichtlich im April oder Mai möglich.

Geboosterte haben noch monatelang guten Schutz

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) begrüßte die neue Stiko-Empfehlung, die den Betroffenen „zusätzliche Sicherheit“ gebe. Daten, die eine allgemeine Empfehlung zur vierten Impfung mit den bisherigen Impfstoffen nahelegen, lägen dagegen bisher nicht vor, sagte Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen. „Die allermeisten Menschen haben bisher in Deutschland ihre Booster-Impfung im Dezember oder Januar bekommen. Ihr Immunschutz vor schwerer Erkrankung ist aktuell sehr gut.“

Israel hatte jüngst den Kreis der Berechtigten für eine vierte Corona-Impfdosis ausgeweitet. In der neuen Phase der Booster-Kampagne können auch alle immungeschwächten Menschen ab 18 Jahren eine vierte Impfstoffdosis erhalten. Dasselbe gilt für Menschen, die durch ihren Beruf einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Bislang war die vierte Impfstoffdosis nur für ältere und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen verfügbar.

Viertimpfungen schon bei Hausärzten möglich

Laut dem Hausärzteverband wird in einigen deutschen Praxen bereits eine vierte Impfung mit den mRNA-Impfstoffen verabreicht. In Hamburg sind Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern, Pflegende und Niedergelassene auf freiwilliger Basis bereits zum zweiten Mal geboostert, berichtete das Abendblatt.

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Stiko empfiehlt Novavax für Menschen ab 18 Jahren

Zugleich empfahl die Stiko den neu verfügbaren Impfstoff des Herstellers Novavax für Menschen ab 18 Jahren und empfiehlt zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens drei Wochen. Von der Empfehlung ausgenommen sind vorerst Schwangere und Stillende.

Das Serum ist der erste proteinbasierte Corona-Impfstoff, der in der Europäischen Union zur Verfügung steht. Er könnte Skeptiker zur Impfung bewegen, die eine Immunisierung mit den neuartigen mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ablehnten.