In diesem Werk in Marburg, das Biontech von Novartis übernommen hatte, soll in wenigen Wochen die Impfstoff-Produktion anlaufen. Foto: Nadine Weigel/dpa

„Impfgipfel“ - in ganz großer Runde wird im Moment versucht, die Menge der verfügbaren Corona-Impfstoffe zu erhöhen: Kanzlerin, zwei EU-Kommissare, Ministerpräsidenten, Vertreter der Hersteller sowie von Kommunen kamen dafür online zusammen. Hintergrund war die bislang schleppende Lieferung, teilweise wurden avisierte Größenordnungen von den Herstellern unterschritten. Biontech/Pfizer begründeten das mit Umbauten in einem Werk, um den Ausstoß dann zu vergrößern, bei Astrazeneca soll es Probleme eines Zulieferers gegeben haben. Das stieß bei der EU auf Unglauben, weil beispielsweise Großbritannien voll beliefert wird.

Weil wegen dieser Verzögerungen niemand weiß, wann wie viel geliefert wird, wurden bislang in Deutschland von gut 3,5 Millionen gelieferten Dosen nur 2,5 Millionen injiziert. Denn für den Impfschutz sind zwei Injektionen nötig, und wenn nicht klar ist, ob nach dem ersten Termin Impfstoff für den zweiten vorhanden ist, werden viele Menschen gar nicht geimpft. Deshalb forderte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz Klarheit über Mengen und Termine.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte allerdings, man könne größere Herstellungsmengen nicht erzwingen. Er kündigte jedoch an, die Prioritäten bei der Impfung leicht zu verändern. Das Astrazeneca-Produkt soll vorwiegend an Menschen unter 65 Jahren eingesetzt werden, weil seine Wirksamkeit bei Alten nicht gut belegt ist, Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen sollen eine höhere Dringlichkeit erhalten. 

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Auch bei den Herstellern gibt es Bewegung: Biontech/Pfizer wollen im zweiten Quartal zusätzlich 75 Millionen Dosen in die EU liefern, Astrazeneca im ersten Quartal nicht 31, sondern 40 Millionen - eigentlich sollten es 80 Millionen sein. Auf dem Papier hat die EU-Kommission mehr als genug für die 27 Mitgliedsländer bestellt: Mit sechs Herstellern wurden Rahmenverträge über insgesamt 2,3 Milliarden Impfstoffdosen geschlossen - für die 450 Millionen Europäer wären nur 900 Millionen nötig. Allerdings sind bislang erst drei Vakzine zugelassen.

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Laut einem Papier des Gesundheitsministeriums können im ersten Quartal 18,3 Millionen Impfdosen geliefert werden, im zweiten schätzungsweise 77,1 Millionen und im dritten Quartal 126,6 Millionen. Im vierten Quartal könnten es dann weitere 100,2 Millionen Dosen sein.  Zugleich hieß es, Termine und Liefermengen hingen von vielen Faktoren ab - etwa klinischen Prüfungen, Zulassungsverfahren und Produktionsprozessen.

Inzwischen wird die Produktionsbreite größer:  Sanofi will vom Sommer an mehr als 125 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs liefern. Biontech/Pfizer will in Marburg Ende Februar mit der Produktion beginnen und hat mittlerweile zwölf weitere Fertigungspartner. Bayer kündigte an, den noch nicht zugelassenen Curevac-Impfstoff produzieren zu wollen.