Der Astra-Zeneca-Impfstoff soll in wenigen Tagen in der EU zugelassen werden. Foto: AFP/ Darren Staples

Böser Rückschlag für die Impf-Kampagne in Deutschland: Der Hersteller Astrazeneca wird zunächst weniger Corona-Impfstoff an die EU liefern als geplant. Sollte der britisch-schwedische Konzern die Zulassung von der EU erhalten, werde die Menge zu Beginn niedriger sein, sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag auf Anfrage.

Während österreichische Medien mutmaßen, die Lieferungen würden zusammen gestrichen, weil sich die EU zu lange Zeit für die Zulassung des Impfstoffs ließ, hieß es laut der Sprecherin, Grund seien geringere Erträge an einem Produktionsstandort „innerhalb unserer europäischen Lieferkette“. Eine Verzögerung der Lieferungen sei aber nicht geplant.

Nach Angaben aus EU-Kreisen warnte das Unternehmen gegenüber EU-Staaten vor möglichen Lieferproblemen bei seinem Impfstoff. Zuvor hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. Der Hersteller hat zusammen mit der britischen Universität Oxford einen Impfstoff entwickelt, der in Großbritannien bereits genutzt wird. Für kommende Woche wird auch eine Zulassung in der Europäischen Union erwartet.

Mehrere Gründe für Impfstoff-Stau

Wie Bild berichtete, muss der Impfstoff nach den Mutationen in einigen Ländern angepasst werden. Bereits auf Halde produzierte Impfstoffmengen könnten deshalb womöglich nicht ausgeliefert werden. Zudem seien die Auswirkungen auf die Produktion nach einem Brand in einem Werk in Indien noch nicht klar.

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte dazu auf Anfrage: „Wir gehen weiter davon aus, dass der Impfstoff von Astrazeneca Ende kommende Woche für die EU zugelassen wird. Die EU hat viel in die Vorproduktion dieses Impfstoffes investiert. Nach der Zulassung wird klar, wie viel Impfstoff wann zusätzlich für Deutschland zur Verfügung steht.“

Brand bei weltgrößtem Impfstoff-Produzenten

Hintergrund der Entscheidung von Astra Zeneca könnte allerdings auch der verheerende Brand gewesen sein, der vor wenigen Tagen in einem Gebäude des weltgrößten Impfstoffproduzenten in Indien ausgebrochen war. Das Serum Institute stellt den britisch-schwedischen Corona-Impfstoff für Indien und andere Märkte unter dem Namen Covishield her.

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Außerdem sind die aufgetretenen Varianten des Coronavirus ein Problem. Der Corona-Impfstoff von Astra Zeneca soll von Wissenschaftlern der Universität Oxford überarbeitet und womöglich verändert werden, um ihn an die neuen Virusvarianten anzupassen, die in Großbritannien, Südafrika und Brasilien grassieren. Das berichtete die britische Zeitung The Telegraph.

Dichter Rauch quillt aus den Fenstern des Impfstoff-Herstellers Serum Institute in Indien. Foto: AP/Rafiq Maqbool

Der Pharmakonzern hatte die bereits in Großbritannien, aber noch nicht in der EU zugelassene Impfung zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Oxford entwickelt. Diese prüfen nun in einer Machbarkeitsstudie, wie schnell ein veränderter Impfstoff hergestellt werden könnte. Die Forscher gehen laut Telegraph nicht davon aus, dass die Anpassung zwingend notwendig sei. Es wäre aber „dumm, nicht vorbereitet zu sein“, sagte ein Wissenschaftler gegenüber der Zeitung.

Am 29. Januar wollte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ihre Prüfung des Impfstoffs abschließen.