Viele, viele Wohnungen gibt es in Deutschland, aber immer noch zu wenige: Auch, weil viele Menschen sie weniger zum Wohnen denn als wirtschaftliche Rücklage kaufen. dpa/Wolfgang Kumm

Es war einmal ... dass Wohnungen in der Provinz günstiger waren. Vorbei: Wohneigentum in Deutschland wird überall immer teurer. Elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor mussten Käufer 2021 im Schnitt für Wohnungen und Häuser auf den Tisch legen, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Im vierten Quartal legten die Preise für Wohnimmobilien mit 12,2 Prozent so kräftig wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr zu. Das treibt die Furcht, die „Immobilien-Blase“ könnte platzen.

Von 2019 auf 2020 waren Wohnungen und Häuser im Schnitt noch um 7,8 Prozent teurer geworden, 3,2 Prozentpunkte legten die Preise 2021 zu. Dass Wohneigentum in Städten wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart oder Düsseldorf kaum noch bezahlbar ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Nun hat die Entwicklung zu mehr Homeoffice während der Pandemie auch die Nachfrage nach Wohnraum auf dem Land zusätzlich angekurbelt.

„Die neuen Rekorde auf dem Immobilienmarkt werden von der Angst vor einer Zinserhöhung sowie steigender Inflation begünstigt. Viele Deutsche flüchten sich in Betongold und schließen dabei zunehmend die Städte in zweiter Reihe mit ein, nachdem Metropolen wie München bereits als überbewertet gelten“, analysierte Eva Grunwald, Leiterin des Postbank-Immobiliengeschäftes. „Die Corona-Pandemie hat den Wunsch nach dem eigenen Zuhause nur noch bestärkt und den Radius erweitert.“

Wohnungspreise explodieren in der Provinz

Entsprechend stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser in dünn besiedelten ländlichen Kreisen im Schlussquartal 2021 besonders kräftig, wie das Bundesamt mitteilte: plus 15,9 Prozent zum Vorjahresquartal. Eigentumswohnungen verteuerten sich in diesen Regionen um 13,2 Prozent. In dichter besiedelten ländlichen Kreisen zogen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 14,5 Prozent an, Eigentumswohnungen wurden um 11,2 Prozent teurer.

Deutschlands teuerstes Pflaster bleibt nach Berechnungen der Postbank München. Nirgendwo anders mussten  Käufer 2021 für einen Quadratmeter Wohnraum so viel bezahlen wie in der bayerischen Landeshauptstadt: im Schnitt 9732 Euro für eine Bestandswohnung.

In Frankfurt waren demnach 6586 Euro je Quadratmeter fällig, in Hamburg 6489 Euro und in Berlin 5528 Euro.

Westerland auf Sylt trägt dazu bei, dass Nordfriesland der Landkreis mit den höchsten Immobilienpreisen ist. dpa/Christian Charisius

Der bundesweit teuerste Landkreis mit Quadratmeterpreisen von 7977 Euro war 2021 der Landkreis Nordfriesland, zu dem die Inseln Sylt, Föhr und Amrum gehören. In der Liste der zehn teuersten Landkreise stehen ansonsten ausschließlich Kreise aus dem Speckgürtel Münchens und den Feriengebieten des Alpenvorlandes.

Bundesbank: Immobilienpreise wirtschaftlich nicht begründet

Die Bundesbank warnt seit Jahren vor Überbewertungen auf dem Immobilienmarkt. Die Preissteigerungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern alarmierten zuletzt auch den EU-Risikorat ESRB. „Die Überbewertungen bei Wohnimmobilien nahmen zu“, stellte die Bundesbank fest. Die Preise in den Städten lägen zwischen 15 und 40 Prozent über den Preisen, die durch wirtschaftliche, soziale und demografische  gerechtfertigt seien. 2020 hatte die Spanne noch 15 bis 30 Prozent betragen.

Immer häufiger komme es „zu spekulativen Übertreibungen, insbesondere bei Eigentumswohnungen und Baugrundstücken in Metropolen wie Berlin, Hamburg und München“, folgerte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung anhand einer Analyse von Daten aus 114 Großstädten. „Dort, aber auch in anderen großen Städten sind in den nächsten Jahren Preiskorrekturen in größerem Ausmaß möglich.“ Übersetzt: Die Blase platzt, die Preise gehen massiv runter.