Dieser Video-Ausschnitt soll zeigen, dass ein Mann sich in der kurdisch-iranischen Stadt Dschawanrud um einen Verletzten kümmert.
Dieser Video-Ausschnitt soll zeigen, dass ein Mann sich in der kurdisch-iranischen Stadt Dschawanrud um einen Verletzten kümmert. AP/Hengaw

Es sind nur kärgliche Informationen, das Land schottet sich ab. Aber das iranische Mullah-Regime geht in der Provinz Kurdistan offenbar immer brutaler gegen die protestierende Bevölkerung vor. Sogenannte „Sicherheitskräfte“ schossen scharf auf Demonstranten in Piranschahr, Mariwan und Dschawanrud. Die in Norwegen ansässige Organisation Hengaw veröffentlichte entsprechende Videos und meldete 13 Tote binnen 24 Stunden.

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Ein Mann filmt in Dschawanrud, wie ein Mensch auf der Straße liegt, möglicherweise erschossen.
Ein Mann filmt in Dschawanrud, wie ein Mensch auf der Straße liegt, möglicherweise erschossen. AP/Hengaw

Menschenrechtsorganisation meldet Massaker in einer iranischen Stadt

Auch die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) veröffentlichte Bilder, wonach Sicherheitskräfte in der Stadt Piranschahr mit scharfer Munition schossen. Das Center for Human Rights in Iran (CHRI, New York) bezeichnete die Geschehnisse in Dschawanrud als „Massaker“. IHR geht von inzwischen 378 Toten landesweit aus.

Aus Protest gegen die Unterdrückung daheim sang die iranische Fußballnationalmannschaft am Montag bei der WM in Katar die Nationalhymne nicht mit.
Aus Protest gegen die Unterdrückung daheim sang die iranische Fußballnationalmannschaft am Montag bei der WM in Katar die Nationalhymne nicht mit. imago/Sebastian Frej

Der Online-Monitor Netblocks, der Internetsperren auf der ganzen Welt beobachtet, sprach von einer „erheblichen Störung“ des Internetzugangs während der jüngsten Proteste. Weltweite Aufmerksamkeit gab es dennoch, weil die Spieler der iranischen Fußball-Nationalmannschaft am Montag vor ihrem WM-Spiel gegen England die Nationalhymne demonstrativ nicht mitsangen.

Ein Mann sucht in dem Moment Deckung, als ein Wasserkanister in Dschawanrud zerschossen wird.
Ein Mann sucht in dem Moment Deckung, als ein Wasserkanister in Dschawanrud zerschossen wird. Videostill: AP/Hengaw s

Der Tod einer jungen Frau löste den Aufstand im Iran aus

Im Iran gehen seit dem Tod der Kurdin Mahsa Amini am 16. September landesweit Menschen gegen die Führung in Teheran auf die Straße. Die 22-Jährige war von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß getragen haben soll. Sie starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Die Opposition wirft den Sittenwächtern vor, sie misshandelt zu haben.

Die Proteste gegen die Sittenpolizei schlugen rasch in Demonstrationen für mehr Frauenrechte, Freiheiten und Demokratie um. Die Staatsmacht geht äußerst hart gegen die Proteste vor, zuletzt vor allem in den Kurdengebieten im Nordwesten und Westen des Landes.  

Auch im Südosten Irans in der Provinz Sistan-Balutschistan herrscht Gewalt. Auslöser der massiven Proteste in Sahedan, die Ende September begonnen hatten, waren Berichte über die mutmaßliche Vergewaltigung einer 15-Jährigen durch einen Polizisten. Nach offiziellen wurde am Montag ein Polizist erschossen, ein weiterer verletzt. 

Die Abgeordneten des Europaparlaments haben wegen des Vorgehens der islamischen Führung den offiziellen Kontakt zu iranischen Stellen abgebrochen.