Der Sarg eines verstorbenen Bewohners wird vom Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg abtransportiert. Foto: Peter Steffen/dpa

Im Seniorenheim St. Nikolaus in Würzburg starb am Wochenende ein 13. Bewohner nach einer Coronavirus-Infektion, in Wolfsburg sind im Hanns-Lilje-Heim bereits 17 Tote zu beklagen, weitere Altenheime im ganzen Bundesgebiet melden hohe Infiziertenzahlen und auch Tote. Eine dramatische Situation für alle Bewohner und das Pflegepersonal – das zudem noch an dem Mangel an Schutzkleidung leidet. Ein Anwalt erstattete in Wolfsburg Anzeige gegen die Heimbetreiber wegen fahrlässiger Tötung. Niedersachsen erließ gestern einen Aufnahmestopp für Pflegeheime.

Im Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg leben vor allem Demenzpatienten, von den 165 Bewohnern sind über 67 infiziert. Am Wochenende starben drei Männer im Alter von 80 bis 88 Jahren, gestern wurden zwei weitere Todesfälle gemeldt, 17 sind es dort nun insgesamt. Die Einrichtung versucht, die Infizierten streng von denen zu trennen, die negativ getestet wurden. Zunächst war geplant, die noch gesunden Bewohner in einem Hotel als Ausweichquartier unterzubringen. Nach weiteren Beratungen des Krisenstabs entschied man sich jedoch gegen eine Evakuierung des Heimes. Denn jede Veränderung kann bei Demenzpatienten Ängste auslösen und auch die Erkrankung verschlimmern.

Ein Wolfsburger Anwalt hat inzwischen Strafanzeige gestellt. Wie die „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ berichtet, richtet sie sich gegen die Verantwortlichen der Diakonie Wolfsburg, Betreiber des Heims, wegen fahrlässiger Tötung in zwölf Fällen. Der Anwalt erhob demach schwere Vorwürfe gegen die Diakonie, dort herrschten „katastrophale hygienische Zustände“. Das Pflegepersonal verfüge zudem über keine Schutzmasken. Der Besucherstopp in den Heimen sei zu spät gekommen.

In Wolfsburg ist zudem am Wochenende auch die Lage am Klinikum eskaliert, dort wurde ein weitgehender Aufnahmestopp für Patienten verhängt wegen Ansteckungen unter den Mitarbeitern. Patienten werden jetzt auf umliegende Krankenhäuser verteilt.

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Ein weiteres niedersächsisches Pflegeheim kämpft mit Infektionen, bei 23 Bewohner n sowie 17 Mitarbeitern eines Heims in Wildeshausen wurde Sars-CoV-2 festgestellt, wie der Landkreis Oldenburg mitteilte. Das Gesundheitsamt habe alle 51 Bewohner und 44 Mitarbeiter getestet, nachdem ein 89-Jähriger mit schweren Vorerkrankungen und Coronavirus-Infektion gestorben sei. „Es ist eine fürchterliche Entwicklung“, betonte Landrat Carsten Harings. Dies zeige, „auf brutale Weise“, wie wichtig die Beschränkungen wie Betretungsverbot oder auch Kontaktverbote seien.

Das Land Niedersachsen hat gestern einen Aufnahmestopp für alle Pflegeheime angeordnet. Ausnahmen gebe es nur für Pflegeheime, die eine 14-tägige Quarantäne für neue Bewohner garantieren könnten.

In einem weiteren bereits seit Tagen betroffenen Heim in Jessen im Sachsen-Anhalt stieg die Zahl der Infizierten nach Angaben des Landkreises Wittenberg vom Sonntag auf 19 Bewohner, dazu kamen sieben Mitarbeiter. Am Sonnabend starb ein 76-jähriger Bewohner des Pflegeheims mit Vorerkrankungen am neuen Virus. Die Gemeinde Jessen kämpft insgesamt gegen einen schweren Corona-Ausbruch. Zwei Ortsteile sind seit Donnerstag abriegelt, können bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr betreten oder verlassen werden. (mit dpa, AFP)