Die zweite Corona-Welle hat Deutschland im Griff.  Foto:  imago images/Christian Ohde

Angesichts drastisch gestiegener Corona-Zahlen mehren sich die Forderungen nach kurzfristigen und radikalen Maßnahmen.

Ale Erster brachte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen "Wellenbrecher-Shutdown" ins Spiel – die Schließung zahlreicher Einrichtungen für zunächst zwei Wochen. 

Jetzt fordert auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein schnelles und konsequentes Gegensteuern von Bund und Ländern. Mit Blick auf die neuerlichen Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Mittwoch sagte Söder: "Wir müssen uns morgen bewähren." Dies sei nicht die letzte Chance, aber eine weitere ganz entscheidende Etappe.

Söder: Schnelle und entschlossene Schritte

Welche konkreten Gegenmaßnahmen er fordert, ließ Söder zunächst offen, er betonte aber: "Lieber gleich und richtig als spät und halbherzig, und lieber mit einer wirksamen Therapie als mit reinen Placebos." Es gebe nicht mehr viele Möglichkeiten, Dinge einheitlich national zu steuern. Und es reiche nicht aus, etwas zu beschließen, was in zwei Wochen schon wieder überholt sei, mahnte Söder.

Vor diesem Hintergrund forderte auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) schnelle zusätzliche Maßnahmen. Der dramatische Anstieg in den vergangenen Tagen sei "sehr besorgniserregend", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Jetzt sind schnelle und entschlossene Schritte nötig, um diese neue Infektionswelle zu brechen."

Scholz: "Wir haben es selbst in der Hand"

Diese sollten zielgerichtet und zeitlich befristet sein. "Und sie sollten deutschlandweit möglichst einheitlich getroffen werden und allgemein verständlich sein", sagte der Finanzminister. In diesen Wochen entscheide sich, ob Deutschland weiter vergleichsweise gut durch die Pandemie komme. "Wir haben es selbst in der Hand", betonte Scholz.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich alarmiert über die Corona-Infektionslage geäußert. "Die Lage ist sehr, sehr ernst", sagte Laschet. "Die bisher geltenden Maßnahmen reichen nicht aus, den Trend zu stoppen." Nötig sei unter anderem ein strengeres Kontaktverbot.

Ein Lockdown mit weitreichenden Einschränkungen des gesamten öffentlichen Lebens müsse aber vermieden werden. Bildung und Wirtschaft sollten nicht eingeschränkt werden. "Der November wird der Monat der Entscheidung", sagte Laschet. "Wenn wir jetzt nichts tun, kollabiert irgendwann unser Gesundheitssystem."

Schleswig-Holstein will in jedem Fall harte Kontaktbeschränkungen ergreifen. Die Zahl 10 werde die Obergrenze für alle Bereiche in den nächsten drei Wochen sein, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in Kiel. Neuerliche Gastronomieschließungen lehnt er ab. 

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sprach von einem "entscheidenden Wendepunkt" im Verlauf der Pandemie. Es müsse darüber nachgedacht werden, welche Kontakte weiter reduziert werden könnten, "ohne dass Kitas und Schulen schließen müssen und die Wirtschaft zu Boden geht".

Kritisch äußerte sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Er will einen Beschluss der Länder zu einem möglichen neuen Lockdown nicht mittragen.

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