14 Millionen Elektroautos im Jahr 2030 wollen geladen werden.  imago/Future Image

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet bis 2030 mit einem deutlich höheren Stromverbrauch in Deutschland als bisher angenommen. Nach Untersuchungen des Prognos-Instituts im Auftrag des Ministeriums steigt der Stromverbrauch bis 2030 auf 645 bis 665 Terawattstunden. Dies sei ein Zuwachs von 15 Prozent gegenüber den bisherigen Annahmen. 2020 verbrauchte Deutschland 545,3 Terawattstunden, 2019 waren es 567,6. Um das für den normalen Stromkunden verständlich zu machen: Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.

Als Grund für den höheren Strombedarf nannte Altmaier etwa einen unerwartet starken „Markthochlauf“ von Elektroautos. So habe man bislang mit zehn Millionen im Jahr 2030 kalkuliert, es dürften aber 14 Millionen werden. 

Mit der Prognose liegt das Ministerium noch unter den Erwartungen des  Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der mit 700 Terawattstunden  Stromverbrauch im Jahr 2030 rechnet. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten eben jene 14 Millionen E-Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Außerdem müssten fünf bis sechs Millionen elektrisch betriebene Wärmepumpen aus der Luft, der Erde oder dem Grundwasser Energie zum Heizen in Häuser holen. Schließlich bräuchte Deutschland noch 15 Millionen Kilowatt Kapazität, um per Elektrolyse Wasserstoff herzustellen. 

Das könnte eng werden – beim Strom. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)  dpa/Bernd von Jutrczenka

Ökostrom hängt an Wind und Sonnenschein

Um das alles umweltfreundlich zu schaffen, sprach sich Altmaier dafür aus, die Ausbauziele für Windkraft und Solarenergie zu erhöhen und für jedes Bundesland konkrete Flächenziele abzustimmen. Deutschland werde seinen eigenen Strom immer mehr mit erneuerbaren Energien bestreiten. Das bedarf noch einiger Anstrengungen: Im ersten Halbjahr 2021 wurden nur 43 Prozent des Verbrauchs durch Ökostrom gedeckt, weil es wenig Wind und Sonne gab. Im Vergleichszeitraum 2020 waren es 50 Prozent.

Weiterhin wird das Angebot herkömmlicher Stromerzeuger schrumpfen: Bis Ende 2022 werden die letzten sechs Atomkraftwerke abgeschaltet, die im ersten Quartal 2021 noch 12,5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs deckten. 

Altmaier hält außerdem bis 2030 neben den bereits geplanten drei neuen „Stromautobahnen“  mindestens eine, wenn nicht zwei zusätzliche große Stromtrassen für nötig, die Energie aus dem windigen Norden Deutschlands in den Süden transportieren. Dafür müssten Planungs- und Genehmigungsverfahren deutlich verkürzt werden. Um den Einbau von Solaranlagen auf Dächern zu fördern, sprach sich Altmaier für Investitionszuschüsse statt einer Pflicht aus. Das alles muss die nächste Bundesregierung regeln.

Ökostrom gegen Artenschutz

Mit Blick auf den schleppenden Ausbau der Windkraft an Land, gegen den es immer wieder Proteste gibt, sagte der Minister, es gehe um den Schutz der Arten, nicht um den Schutz von „einzelnen Individuen“. Beim Bau neuer Windräder wird oft aus Artenschutzgründen geklagt, weil die Windräder beispielsweise Vögel erschlagen. Als weiteres Hemmnis sieht die Energiebranche, dass es zu wenig ausgewiesene Flächen gibt.

dpa/Christian Charisius
Windräder können zur Todesfalle für Vögel werden.

Bei Altmaiers Auftritt gab es auch Wahlkampf: Er warf Finanzminister Olaf Scholz (SPD) vor, bisher keine Mittel für eine Abschaffung der EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms im Haushalt eingeplant zu haben. Eine Abschaffung der Umlage, die Stromverbraucher über die Stromrechnung zahlen, würde rund 25 Milliarden Euro pro Jahr kosten.