Passagiere drängeln sich in langen Schlangen vor den Schaltern im Flughafen Düsseldorf und warten auf die Abfertigung.
Passagiere drängeln sich in langen Schlangen vor den Schaltern im Flughafen Düsseldorf und warten auf die Abfertigung. dpa/David Young

Schon mehrfach seit seiner Eröffnung ist der Berlin-Brandenburger Flughafen BER an seine Grenzen geraten: stundenlange Verzögerungen bei der Abfertigung, entnervte Passagiere, verpasste Flüge. Inzwischen sind die Abläufe am 2020 eröffneten Pannen-Flughafen im Griff, doch nun rollt eine bislang nicht bekannte Welle von Passagieren auf den Airport zu: In weniger als zwei Wochen starten die Sommerferien, Millionen von Passagieren wollen in den Urlaub – doch es fehlt an Personal und erneut droht ein Chaos mitten in der Hauptreisezeit. Wohin das führt, zeigt sich gerade in Nordrhein-Westfalen: Als erstes Bundesland ist NRW in die Sommerferien gestartet, das Chaos an den Flughäfen sorgt für Entsetzen.

Bundespolizei und Feuerwehr mussten bei der Flughafen-Gepäckabfertigung helfen, weil Personal fehlt

Urlaubsfrust statt Reiselust: Für viele Menschen in Nordrhein-Westfalen starteten die Sommerferien an diesem Wochenende mit langen Warteschlangen und gestrichenen Flügen. Zumindest einer der Gründe für die Probleme: Personalnot an den Airports. Die will die Bundesregierung mit einem neuen Vorstoß in den Griff bekommen. Doch am Samstagabend eskalierte die Lage an einem der größten Flughäfen Deutschlands: Laut Rheinischer Post wurden ankommende Passagiere ohne Koffer nach Hause geschickt. Weil zu wenig Personal für die Kofferabfertigung verfügbar war, mussten sogar Bundespolizei Feuerwehr mit anpacken. Der Düsseldorfer Flughafen gab die Verantwortung an die Airlines ab. Betroffene Passagiere brauchen sich keine Hoffnung machen, dass ihnen das Gepäck nachgeschickt wird, wie in solchen Fällen eigentlich üblich – sie müssen sich wohl selbst in den kommenden Tagen um den Verbleib ihrer Koffer kümmern.

In Düsseldorf etwa berichteten Reisende am Samstag einem dpa-Reporter, dass sie bereits seit fünf Stunden am Flughafen warteten. Dabei seien sie extra frühzeitig angereist. Ärger gab es dort mit der Gepäcktransportanlage, die sich ausgerechnet zum Ferienbeginn von ihrer anfälligen Seite zeigte. Nach einer Störung am Freitag sei es am Samstag erneut zu einer Störung in einem Teil der Anlage gekommen, teilte der Flughafen mit. „Es ist daher nicht auszuschließen, dass heute Gepäck in Düsseldorf zurückbleiben wird“, hieß es.

Frühzeitig angereist, dennoch stundenlange Wartezeiten vor Abfertigung und Sicherheitskontrolle

Problemlos gestalteten sich hingegen in Düsseldorf die Sicherheitskontrollen, die in den vergangenen Wochen oft der kritische Punkt waren. „Wir haben in Düsseldorf 10 bis 15 Minuten Wartezeit und sind damit sehr zufrieden“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Gerade noch rechtzeitig hatte die Bundespolizei einen zweiten Dienstleister zur Unterstützung verpflichten können. Der Hauptdienstleister rekrutierte zudem zusätzliche Hilfskräfte.

Am Köln/Bonner Airport sah das am Samstag ganz anders aus: „Dort haben wir an den Sicherheitskontrollen Wartezeiten von 60 bis 90 Minuten“, so der Sprecher. Dies liege an krankheitsbedingten Personalausfällen von mehr als hundert Mitarbeitern. „Das kann man dann nicht mehr kompensieren.“

Tausende Hilfskräfte aus der Türkei sollen jetzt bei der Gepäckabfertigung helfen

Gegen die Personalnot an Flughäfen in Deutschland will die Bundesregierung die Möglichkeit zur befristeten Anstellung ausländischer Hilfskräfte schaffen. Dies sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der „Bild am Sonntag“ («BamS»). „Dabei wollen wir jede Form von Sozialdumping und Ausbeutung ausschließen. Die Arbeitgeber müssen Tariflohn zahlen und für die befristete Zeit anständige Unterkünfte bereitstellen.“

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sprach in der Zeitung von einer mit Heil und Innenministerin Nancy Faeser (SPD) abgestimmten Aktion, mit der man die Personalengpässe an deutschen Flughäfen „abstellen und eine temporäre Lösung präsentieren“ wolle. Faeser ergänzte: „Wir werden ermöglichen, dass Hilfskräfte aus dem Ausland zum Beispiel bei der Gepäckabfertigung eingesetzt werden.“ Dabei gelte: „Bei der Sicherheit gibt es keine Abstriche.“

Unter Berufung auf Regierungskreise schrieb die Zeitung, Ziel sei es, eine vierstellige Zahl an Fachkräften aus der Türkei zu holen, die bestenfalls schon ab Juli für einige Monate eingesetzt werden könnten. Kurz vor Beginn der Haupturlaubszeit hatte etwa die Lufthansa angekündigt, insgesamt knapp 3000 Flüge an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München zu streichen, weil sich vermehrt Besatzungen wegen Corona-Fällen krankmelden. Grund ist insbesondere fehlendes Personal nicht nur bei der Airline selbst, sondern eben auch bei den Flughäfen etwa bei der Sicherheitskontrolle.

Bereits am Freitag - dem letzten NRW-Schultag - war es an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf zu langen Schlangen an den Sicherheitskontrollen und Check-in-Schaltern gekommen.

Als erstes der 16 deutschen Bundesländer war mit Nordrhein-Westfalen zugleich das bevölkerungsreichste Land am Freitag mit dem letzten Schultag in die Sommerferien gestartet. Eine Woche später folgen die Küstenländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, am Mittwoch danach (6.7.) Hamburg, Berlin und Brandenburg. Als letzte sind wieder die südlichen Länder Baden-Württemberg und Bayern an der Reihe - Ende Juli beziehungsweise zum 1. August.