Ein Apotheker testet eine Frau in NRW auf Corona. Im Bundesland gelten ab Montag erste Erleichterungen für vollständig Geimpfte. dpa/Oliver Berg

Ist das schon der Silberstreif am Horizont? Die dritte Corona-Welle scheint abgebremst, seit inzwischen fünf Tagen sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz langsam weiter.

18.935 Neuinfektionen haben die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 232 neue Todesfälle verzeichnet, wie das RKI am Sonnabendmorgen mitteilte. Am Sonnabend vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 23.392 Neuinfektionen und 286 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI bundesweit bei 148,6 – am Vortag lag sie noch bei 153,4 und vor einer Woche bei 164,4.

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Die Zeichen stehen also gut, dass die dritte Corona-Welle bald überstanden sein könnte. Auch Experten erwarten vorerst keinen stärkeren Anstieg der Infektionszahlen mehr. „Ich rechne nicht mehr mit einer Zunahme, aber auch nicht mit einer schnellen Abnahme“, gab sich Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin verhalten optimistisch.

Schon bald Inzidenzen um 50 zu erwarten

Zuversichtlicher zeigte sich die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Inzidenzen von deutlich unter 50 wie im vergangenen Sommer seien wahrscheinlich in den nächsten Wochen zu erreichen, sagte sie. Grund dafür sei vor allem der Impffortschritt.

Und der hat augenscheinlich auch bereits positive Effekte auf Klinikeinweisungen in Deutschland. Nach RKI-Daten stieg der Anteil der Einweisungen wegen Covid-19 in Kliniken seit Ende Februar nicht mehr an. Er verharrte bei sieben bis acht Prozent der gemeldeten Infizierten.

Das Impftempo erhöht allerdings auch den Druck auf die Bundesregierung, Geimpften und Genesenen wieder mehr Rechte einzuräumen. Ein Gesetzes-Entwurf von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) sieht vor, dass Geimpfte und Genesene von der Testpflicht sowie von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen ausgenommen werden sollen. In der nächsten Woche wollen Bund und Länder Ausnahmen von Corona-Beschränkungen für Geimpfte klären – wie schnell die dann kommen, ist aber unklar.

Viele Bundesländer warten dies jedoch gar nicht mehr ab und lockern oder planen Erleichterungen für vollständig Geimpfte. Im Saarland werden diese ab Montag wie in Berlin mit Getesteten gleichgestellt. In Nordrhein-Westfalen müssen Geimpfte keinen negativen Schnelltest mehr vorweisen, die Quarantäne für geimpfte Reisende aus Risikogebieten entfällt ebenfalls. Und das, obwohl sich CDU-Chef Armin Laschet noch am Mittwoch gegen das autonome Vorgehen mancher Länderchefs ausgesprochen hatte.