Verteidigungsminister Sergej Schoigu (r.) und Generalstabschef Waleri Gerassimow. imago

Der Krieg in der Ukraine tobt weiter, Russlands Verteidigungsminister verkündet, Wladimir Putins Befehl sei ausgeführt: Die Atombomben sind einsatzbereit. Es läuft einem kalt den Rücken herunter, denn wenn der Eindruck nicht trügt, steht der russische Präsident mit dem Rücken zur Wand.

Der ehemalige Geheimdienstler hat sich offenbar nicht vorstellen können oder wollen, welche Konsequenzen der Angriff auf das Nachbarland Ukraine haben könnte.

Er hat nicht erwartet, dass sich die ukrainischen Truppen standhaft zur Wehr setzen.

Er hat nicht erwartet, dass sich in seiner eigene Bevölkerung trotz heftiger Propagandalügen Protest gegen den Krieg erhebt.

Er hat nicht erwartet, dass sein Fabulieren vom 1000jährigen Russland kein Fanal ist, sich hinter ihm zu sammeln.

Er hat nicht erwartet, dass sich der Nachwuchs der Nomenklatura gegen ihn stellt, und ganze Scharen von Wissenschaftlern.

Er hat nicht erwartet, dass der „dekadente Westen“ ihm die Zähne zeigt.

Er hat nicht erwartet, dass die Wirtschaftssanktionen greifen und dem normalen Russen zu schaffen machen werden.

Er hat nicht erwartet, dass sein Widerpart Selenskyj weltweit viel professioneller auf der Propaganda-Klaviatur der sozialen Medien spielt als alle russischen Trolle zusammen.

In der Summe entpuppt sich Putin als das, wofür man ihn immer halten konnte: Als bauernschlauer Schulhofschläger, dessen Größenwahn ihn in ein Geflecht von Widerständen geführt hat, aus dem es kaum ein Entrinnen ohne vollkommenen Gesichtsverlust gibt.

Das ist extrem gefährlich, denn entweder gibt er klein bei, oder er läuft Amok.

Vielleicht, und die Hoffnung stirbt zuletzt, steckt hinter den versteinerten Gesichtern von Putins obersten Militärs der Gedanke, sich seiner zu entledigen.