Wird das Gas knapp, gehen die Preise durch die Decke, und die Warmmiete gleich mit.
Wird das Gas knapp, gehen die Preise durch die Decke, und die Warmmiete gleich mit. imago/Future Image

Es wird schaurig für Deutschlands Mieter. Wenn die Vertretung der deutschen  Wohnungswirtschaft (GdW) sich nicht verrechnet hat, kommen wegen explodierender Energiekosten nahezu unbezahlbare Betriebskosten-Nachzahlungen auf die Mieter zu. Für alle Haushalte werden für die Haushaltsenergie mindestens 1361, höchstens 3799 Euro Mehrausgaben erwartet. Bereits im Mai waren 702 Euro erreicht. Ein 4-Personen-Haushalt muss sich schlimmstenfalls auf 5074 Euro mehr einrichten.

Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg mit rückläufigen Gaslieferungen würden immer heftiger auf die Energiepreise durchschlagen. Der GdW führt an, dass  verschiedene Anbieter für unterschiedliche Energieformen Preissteigerungen in einem Rahmen von 71 und knapp 200 Prozent in Aussicht stellen.

„Die Situation ist mehr als dramatisch und der soziale Frieden in Deutschland ist massiv in Gefahr. Weder die Mieter noch die sozial orientierten Wohnungsunternehmen dürfen angesichts der weiteren massiven Preissteigerungen alleine gelassen werden. Der Staat muss in dieser Notsituation seiner sozialen Verantwortung gerecht werden“, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

Jährliche Mehrkosten, die auf die Mieter in Deutschland zukommen könnten.
Jährliche Mehrkosten, die auf die Mieter in Deutschland zukommen könnten. Grafik: GdW. Quelle: Statistisches Bundesamt, VPI, GdW-Berechnungen

Sollten die Energiepreise an die Kunden direkt weitergegeben werden, wird es untragbar teuer

Sollte die dritte Stufe des Notfallplans Gas ausgerufen werden, könnten – Stand jetzt – die massiven Preissteigerungen von den Energieversorgern direkt an die Verbraucher weitergegeben werden. Preissteigerungsszenarien würden sich zwischen 100 und 400 Prozent bedeuten. Dies würde für die Wohnungsunternehmen Mehrkosten zwischen 1,6  und 6,7 Milliarden Euro gegenüber 2021 bedeuten. Kleinere Unternehmen seien nicht in der Lage, das zu verkraften, geschweige denn einkommensschwache Haushalte und Familien.

Sparsamkeit könne nur einen kleinen Teil der Kostensteigerung auffangen, dennoch müssten Vermieter und Mieter gemeinsam möglichst viel Energie einsparen. Der GdW und seine Regionalverbände hätten laut Gedaschko die 3000 dem GdW angehörenden Wohnungsunternehmen aufgefordert, Heizungsanlagen in Wohngebäuden zu überprüfen und bestmöglich einzustellen.

Wohnungsunternehmen hätten die Vorauszahlungen für die warmen Nebenkosten häufig erhöht, damit das dicke Ende mit enormen Nachzahlungen für die Mieter nicht ganz so dick ausfällt.

Heizkosten sparen durch richtiges Lüften, sonst fliegt das Geld zum Fenster raus

Mieter würden zudem informiert und beraten, wie sie den Alltag in ihren Wohnungen energiesparend bestreiten können. Entscheidend ist hier richtiges, energiesparendes Heizen und Lüften. Speziell falsches Lüften (Kippfenster offen, aber Heizung aufgedreht) steigere den Energieverbrauch bis auf das Achtfache.

Stattdessen rät der GdW: Zwei bis vier Mal am Tag für jeweils fünf Minuten die Fenster weit öffnen und dabei für Durchzug (Querlüften) sorgen. Die Heizung muss dabei abgedreht sein.

Der GdW, dessen Mitgliedsunternehmen sechs Millionen Wohnungen verwalten und damit ein knappes Drittel aller Mietwohnungen in Deutschland, macht zur Entlastung der Mieter und der Firmen zwei Vorschläge:

Die warmen Betriebskosten sollten auf 40 Prozent der Nettokaltmiete gedeckelt werden. Neben einer unbürokratischen Handhabe sei  der Vorteil dieses Modells ein variabler staatlicher Entlastungsbetrag, der insbesondere Haushalte mit geringen Einkommen unterstütze. Um „sozial orientierte Wohnungsunternehmen“ (dahinter verbergen sich beispielsweise Genossenschaften,  landeseigene, kirchliche, aber auch private Unternehmen), die bei den Betriebskosten in Vorleistung treten, vor der Pleite zu schützen, sollte ein Hilfsfonds bei der staatlichen Förderbank KfW eingerichtet werden.

Besserer Pleite-Schutz für Wohnungsunternehmen

Außerdem sollte angesichts der drohenden Insolvenz von Wohnungsunternehmen das Insolvenzrecht wie während der Corona-Pandemie verändert werden, als eigentlich zahlungsunfähige Unternehmen Zeit bekamen, damit sie beispielsweise bis zum Eintreffen staatlicher Hilfe weitermachen konnten.

Die zweite Variante sei etwas komplizierter: Zur Entlastung der Mieter sollte ein staatlicher Treuhand-Hilfsfonds eingerichtet werden, der zweckgebunden dazu genutzt wird, einen Anteil der steigenden Energiekosten von den Betriebskostenabrechnungen abzuziehen. Der Empfängerkreis muss über die Wohngeldberechtigten hinausgehen. Die Entnahme aus dem Fonds erfolgt treuhänderisch durch das vermietende Unternehmen.

Der Abzug der Mittel erfolgt dann über die Betriebskostenabrechnung. Die sozial orientierten Wohnungsunternehmen würden bei diesem Modell die Prüfung der Berechtigung des Mieters, die Abrechnung sowie die Gutschreibung beim Mieter übernehmen.

Nach Abschluss dieses Verfahrens würde etwa durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel attestiert. Gedaschko: „Insbesondere finanziell stark belasteten Mietern und vorleistungspflichtigen Wohnungsunternehmen könnte so gezielt unter die Arme gegriffen werden. Das wäre sozial gerecht und würde zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.“