Der Blick in den Hals soll verraten, ob die Mandeln entfernt werden müssen. Wenn ja: Hals-Nasen-Ohrenärzte wollen diesen Eingriff nicht mehr vornehmen.
Der Blick in den Hals soll verraten, ob die Mandeln entfernt werden müssen. Wenn ja: Hals-Nasen-Ohrenärzte wollen diesen Eingriff nicht mehr vornehmen. obs/hkk Krankenkasse/Dan Race-Fotolia.com

Im Honorarstreit mit dem Kassenärztlichen Bundesvereinigung haben Hals-Nasen-Ohrenärzte zu einem Operations-Streik aufgerufen. Der Aufruf treffe auf breite Unterstützung der Mediziner, verbreitete der  Deutschen Berufsverband  der HNO-Spezialisten.

Mit dem Aufruf will der Berufsverband gegen eine seiner Ansicht nach zu geringe Bezahlung bestimmter OPs protestieren. Eine Umfrage habe gezeigt, dass mehr als 85 Prozent der HNO-Ärzte unter anderem Eingriffe bei Kindern wie Mandel-Enfernungen oder Mittelohr-OPs nicht mehr vornehmen wollen.

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Honorare wurden neu festgelegt

Vorangegangen war eine Neuordnung der Honorare durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Der Dachverband, der für alle Finanzfragen bei der Versorgung von Kassenpatienten zuständig ist, hatte im Dezember festgelegt, dass für bestimmte Eingriffe nur noch rund 107 statt vorher 111 Euro fließen.

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Gleichzeitig wurden andere OPs aufgewertet. Insgesamt steige das Honorarvolumen beim ambulanten Operieren im HNO-Bereich um 2,3 Prozent, rechnet die KBV in einem Brief an den HNO-Berufsverband vor.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung spricht deshalb von einem „innerärztlichen Verteilungskonflikt“. Verbandssprecher Florian Lanz sagte der dpa, für den Streikaufruf des HNO-Verbandes habe er „null Verständnis“.

Kassen sprechen von Geiselnahme durch die HNO-Ärzte

Die HNO-Ärzte pickten sich einzelne Punkte aus einem Honorarpaket heraus: „Sie nehmen Kinder in Geiselhaft, um mehr Geld aus dem Portemonnaie der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler zu bekommen“, sagte Lanz.

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Der HNO-Verband weist die Kritik der Kassen zurück. Einzelne OPs ließen sich mittlerweile nicht mehr kostendeckend erbringen, kritisiert der bayerische Landeschef, Bernhard Junge-Hülsing. Und es gehe nicht nur um einzelne Honorare: „Wir weisen seit mehr als 15 Jahren darauf hin, dass insbesondere Kinder-Operationen insgesamt zu schlecht vergütet sind.“

Der Berufsverband sieht auch die Rechtsprechung auf seiner Seite. Ärzte könnten nicht gezwungen werden, bestimmte Leistungen anzubieten, wenn die Vergütung nicht mehr angemessen ist. Das habe das Bundessozialgericht mehrfach bestätigt. Deswegen bleibe der Aufruf, bestimmte OPs nicht mehr anzubieten, so lange bestehen, bis es deutlich mehr Geld gibt, kündigt der Verband an.

Er verwies darauf, dass das ambulante Operieren ohnehin langsam aussterbe und Kinder bereits jetzt monatelang warten müssten.  Der Verband rechnet vor, dass von den knapp 107 Euro für einen sogenannten N1-Eingriff, wie die Entfernung der Rachenmandel bei Kindern, „kein OP-Zentrum die laufenden Kosten stemmen“ könne.

Nur 20 Euro Honorar für eine Mandel-OP, sagen die HNO-Ärzte

Von der Summe müssen die OP-Miete (40 Euro), die Sterilisation der Instrumente (25 Euro), die OP-Assistenz (15 Euro) sowie weitere Posten, wie die Instrumentenanschaffung, die Wartung der OP-Technik, die Haftpflichtversicherung sowie die Rufbereitschaft des Arztes nach einem Eingriff, bezahlt werden. Am Ende blieben zehn bis 20 Euro für den Arzt übrig, vor Steuern.

Die Kassen halten diese Argumentation für falsch. Wer eine Kassenzulassung hat, verpflichte sich, alle gesetzlich Versicherten umfassend zu behandeln, betont Kassenverbandssprecher Lanz. Wenn Patienten abgewiesen werden, sollten sie sich deshalb bei ihrer Krankenkasse oder der Kassenärztlichen Vereinigung beschweren.