Die Schreitenden Pferde auf der Gartenseite von Hitlers Reichskanzlei. Ullstein

Im Rechtsstreit um zwei bronzene Riesen-Gäule aus der Nazi-Zeit haben sich der Bund und der bisherige Besitzer auf einen Vergleich geeinigt: Der beklagte Mann gibt die „Schreitenden Pferde“ heraus, darf aber andere Werke behalten. Auch sie waren 1989 aus einer sowjetischen Kaserne in Brandenburg verschwunden.  d In einer gemeinsamen Presseerklärung heißt es, dass die Bunderepublik Deutschland beabsichtige, die Pferde auszustellen. Mit dieser Einigung wurde der Rechtsstreit vor dem Landgericht Frankenthal außergerichtlich beendet.

Die 3,50 Meter hohen Pferde hatten einen langen Weg zurückgelegt: Von Berlin nach Eberswalde bis nach Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Dort hatte sie die Polizei 2015 „eingefangen“.

Die Bronze-Kolosse waren am Garten-Portal der Neuen Reichskanzlei (Voß-, Ecke Wilhelmstraße) Adolf Hitlers aufgestellt. Geschaffen hatte sie der österreichische Künstler Josef Thorak (1889-1952), der den auch künstlerisch größenwahnsinnigen Nazi-Führern gefiel.

Während des Krieges wurden sie vor den Bombenangriffen nach Wriezen aufs Atelier-Gelände des Bildhauers Arno Breker gebracht. Nach Kriegsende 1945 wurden sie offenbar in eine sowjetische Kaserne in Eberswalde geschafft, von wo sie 1989 verschwanden.

Pferde sollten mehr als eine Million Euro kosten

Die Pferde, dazu zwei Frauenskultpuren von Fritz Klimsch und ein 40 Tonnen schweres Relief von Hitlers Lieblings-Bildhauer Breker für einen geplanten Triumphbogen in Berlin, wurden in Bad Dürkheim in der Lagerhalle eines Unternehmers gefunden. Das Relief zeigt einen halbnackten Mann, der ein Schwert zieht.

Zuvor soll die  Nazi-Kunst auf dem „grauen Markt“ zwei Jahre lang angeboten worden sein – allein die Pferde für weit über eine Million Euro. Damit wurden die Kripo und ein niederländischer Kunstdetektiv aufmerksam – denn formal gehören die Werke der Bundesrepublik. Unter Führung der Kunst-Experten der Berliner Kripo wurden zehn Lager und Wohnungen in Deutschland durchsucht, was mit der Beschlagnahme der Skulpturen endete.