Der Hass hat ein Gesicht: Attila Hildmann bei einer Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude.  Foto: imago images / Stefan Zeitz

Der im Laufe der  Corona-Krise restlos ins Milieu der Verschwörungstheoretiker abgedriftete Vegan-Koch Attila Hildmann (39) hat dem früheren Bundestagsabgeordneten Volker Beck (59, Grüne) mittelbar mit dem Tod gedroht. Auf dem Messengerdienst Telegram schrieb er: „Für Beck würde ich als zukünftiger Reichskanzler wieder die Todesstrafe durch Eier-Treten auf öffentlichem Platz einführen.“

Volker Beck hat Attila Hildmann angezeigt. Foto: Jörg Carstensen / dpa

Ein Screenshot dieser Nachricht von Sonntag wurde von mehreren Politikern in sozialen Netzwerken geteilt. Der Berliner Staatssekretär Alexander Fischer (Linke) schrieb: „Das hier ist eine Todesdrohung gegen Volker Beck, die der Nazi Attila Hildmann gestern Abend an über 66.000 Menschen auf seinem Telegram-Kanal geschickt hat. Und wir sollten das ernst nehmen“.

Volker Beck,  1994 bis 2017 Bundestagsabgeordneter, war zunächst geschockt. „Ist diese Morddrohung/-phantasie von diesem durchgeknallten Veggie-Koch oder ist das Fake?“, fragte er via Twitter. Am Montagnachmittag erklärte er dann ebenfalls auf Twitter auf die Frage, ob er Hildmann angezeigt habe: „Done“ („gemacht“).

Dem KURIER sagte Beck: „Neu ist das alles nicht: Meine erste Pistolenkugel hatte ich 1996 in Bonn in der Post. Ich habe auch in manchen Jahren 100 Morddrohungen bekommen. Die neue Qualität ist, dass aus diesen Worten immer häufiger auch Taten werden. Ereignisse wie in Halle, Hanau oder der Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke häufen sich.“  Anders als früher fühlten sich die Täter von einem Teil der Gesellschaft in ihrem Denken bestätigt und sähen sich als „Helden“. Deshalb hätten AfD und Rechtsextreme eine Verantwortung, wenn aus Worten Taten werden.

Angst habe er nicht: „Ich war nie leicht einzuschüchtern“.  Aber: „Ich schaue schon ganz genau hin, wenn sich auf der anderen Straßenseite etwas zusammenrottet.“ Morddrohungen versucht Beck zu verdrängen.

 Hintergrund des Angriffs von Hildmann war ein Text des homosexuellen Beck von 1988, in dem er vorschlug, gewaltfreien Sex mit Kindern straffrei zu stellen. 1993 bezeichnete er das als „abwegigen Stuss“ und „großen Fehler“. Dennoch verfolgt in dieser „Stuss“ bis heute.

Hildmann wurde unterdessen von Andreas Klein, Inhaber einer PR-Agentur, hereingelegt, wie die taz herausfand. Hildmann hatte von einer Internet-Seite Merkels-sklavenshop.de schwadroniert, auf der er unter anderem Damenbinden als Corona-Schutzmasken zum Kauf anbiete.  Klein stellte fest, dass es die Internetseite nicht gibt, ließ sie für sich registrieren - und leitet Besucher auf die Seite der Hildmann verhassten „Bill und Melinda Gates-Stiftung“ um - es waren über 40.000.  Der Koch und seine Anhänger glauben, dass Gates bei Impfungen massenhaft Mikrochips zur Kontrolle der Menschheit injizieren lassen wolle.