Der verordnete Heizungs-Check wird bis zum Winter nicht flächendeckend durchführbar sein, so der Zentralverband Sanitär Heizung Klima.
Der verordnete Heizungs-Check wird bis zum Winter nicht flächendeckend durchführbar sein, so der Zentralverband Sanitär Heizung Klima. dpa/Hauke-Christian Dittrich

„Die Auftragsbücher sind im Moment so gut gefüllt wie selten – für den Sommer ist es ein absoluter Höchststand“, fasst Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedern zusammen. Im Durchschnitt seien die Firmen für 18 Wochen ausgelastet.

Verbandspräsident Ebisch: „Man kann nicht 20 Millionen Heizungen bis Weihnachten optimieren“

Dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nun alle Eigentümer und Eigentümerinnen von Gasheizungen verpflichten will, bis zum Ablauf der übernächsten Heizperiode 2023/24 einen Heizungscheck vorzunehmen, begrüßt der Verband. „Keiner der ein Auto fährt, lässt es ohne Inspektion zehn Jahre rollen, bei der Heizung sieht das anders aus“, sagte Ebisch. Doch müssten die Heizungsbesitzer Geduld haben: „Man kann nicht 20 Millionen Heizungen bis Weihnachten optimieren. Das ist völlig unrealistisch.“

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Tatsächlich müssen sich die Kunden wohl häufig auf lange Wartezeiten einstellen und so manche Modernisierung lässt sich vielleicht auch vor dem Winter gar nicht mehr realisieren. „Einen Betrieb zu finden, der die Heizung wartet oder einen neuen Heizkessel einbauen zu lassen, das ist vor dem Winter noch machbar. Vielleicht dauert es zwei Monate bis der Handwerker kommt“, sagt Corinna Kodim vom Eigentümerverband Haus & Grund.

Deutlich schwieriger werde es bei aufwendigeren Arbeiten wie einem hydraulischen Abgleich der Heizung. „Das kann zwar viel Energie sparen, aber dafür scheinen nicht genügend Kapazitäten bei den Handwerksbetrieben vorhanden zu sein. Da sagen viele ab“, berichtet sie. Und es kann auch noch schlimmer kommen. „Beim Einbau von Wärmepumpen müssen sich die Kunden auf Wartezeiten von bis zu einem Jahr einstellen“, sagt die Branchenkennerin.

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Die Bundesregierung plant, einige Kohlekraftwerke länger laufen zu lassen.
Die Bundesregierung plant, einige Kohlekraftwerke länger laufen zu lassen. dpa/Roberto Pfeil

Habeck aktiviert Braunkohlereserve

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Grüne) hatte am Donnerstag angekündigt, zum 1. Oktober die Braunkohlereserve zu aktivieren. Die betreffenden Kraftwerke könnten dann Erdgaskraftwerke ersetzen. Habeck reagiert damit auf die deutlich reduzierten Gasflüsse aus Russland. Der Minister plant auch befristete Regelungen, um den Gasverbrauch in Betrieben, Büros und Privathaushalten zu senken. In öffentlichen Einrichtungen und Bürogebäuden sollen Bereiche, wo Menschen lediglich hindurchgehen, nicht beheizt werden. Auch mehr Homeoffice sowie Betriebsferien, in denen die Büros nicht beheizt werden müssen, schlägt Habeck vor.

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In Wohngebäuden sollen außerdem etwa Verpflichtungen für eine Mindesttemperatur in der Wohnung vorübergehend ausgesetzt werden. Untersagt werden soll, dass Hausbesitzer private Pools mit Gas beheizen.