Bei einer Razzia gegen sogenannte «Reichsbürger» wird Heinrich XIII. Prinz Reuß abgeführt. Er gilt als Rädelsführer der Terrorgruppe. 
Bei einer Razzia gegen sogenannte «Reichsbürger» wird Heinrich XIII. Prinz Reuß abgeführt. Er gilt als Rädelsführer der Terrorgruppe.  Boris Roessler/dpa

Er gilt als der Kopf der rechtsextremen Terrorgruppierung, gegen die heute massiv vorgegangen wurde:  Heinrich XIII. Prinz Reuß war als neuer Regent in Deutschland im Spiel, ist als Reichsbürger bekannt. Im thüringischen Bad Lobenstein soll er ein Jagdschloss besessen haben, in dem ein Waffenlager vermutet wird. Seit dem frühen Morgen wird auch hier durchsucht. Wer ist der Immobilien-Händler, der nun im Frankfurter Nobelviertel festgenommen wurde? 

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Am Mittwoch  wurde der  71-Jährige im Zuge einer bundesweiten Razzia festgenommen. Er soll die Spitze einer rechtsextremen Gruppierung sein, die einen bewaffneten Überfall auf die Verfassungsorgane geplant haben soll. Erst im Sommer war der Prinz auf einem Fest des Bürgermeisters im thüringischen Bad Lobenstein eingeladen gewesen, seine Familie, das Haus Reuß hatte sich danach von dem Prinzen distanziert. 

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Eklat bei Fest des Bürgermeisters in Bad Lobenstein 

Ein Sprecher der Familie teilte im August mit, das Haus Reuß distanziere sich von den politischen und zeitgenössischen Aussagen von Prinz Heinrich XIII. Reuß „auf das Deutlichste“.  Dieser habe vor 14 Jahren auf eigenen Wunsch den Familienverbund verlassen und es gebe auch seit längerem keinen persönlichen Kontakt mehr. Weiter bezeichnete der Sprecher seinen „entfernten“ Verwandten als einen „teilweise verwirrten“ alten Mann, der „verschwörungstheoretischen Irrmeinungen“ aufsitze.

Bei einer Razzia gegen sogenannte «Reichsbürger» sitzt ein vermummter Polizist, nach der Durchsuchung eines Hauses, mit dem festgenommenen Heinrich XIII Prinz Reuß (r) in einem Polizeifahrzeug. 
Bei einer Razzia gegen sogenannte «Reichsbürger» sitzt ein vermummter Polizist, nach der Durchsuchung eines Hauses, mit dem festgenommenen Heinrich XIII Prinz Reuß (r) in einem Polizeifahrzeug.  Roessler/ dpa

Beim Empfang des Bad Lobensteiner Bürgermeisters Thomas Weigelt (parteilos) war es zum Eklat mit einen Reporter der „Ostthüringer Zeitung“ gekommen, der Bürgermeister war auf den Journalisten losgegangen. Nach Angaben der Zeitung hatte Weigelt die Einladung von Reuß damit begründet, dass Prinz Reuß XIII. eine „für uns“ historische Person sei. Mittlerweile ist der Bürgermeister, der der Reichsbürger Bewegung nahe steht, suspendiert. 

Heinrich XIII. Prinz Reuß: „verwirrter alter Mann“

Nach Informationen der „Ostthüringer Zeitung“ wurde das Jagdschloss im Ort Bad Lobenstein Saaldorf über die Jahre immer mehr eingezäunt. Einwohner in Bad Lobenstein sagten gegenüber dem Sender ntv, Prinz Reuß habe das Jagdschloss Anfang der 90er Jahre erworben und sei lange unauffällig gewesen. Am Wochenende soll er meist dort gewesen sein. Vor dem Anwesen hätten zudem meist drei bis vier Autos mit unbekannten Kennzeichen gestanden. Anwohner nannten den Prinzen einen „arroganten Vogel“, der immer zuerst gegrüßt werden wollte. Das Anwesen wurde in der DDR Volkseigentum und ab 1965 als Urlaubs- und Schulungsheim vom VEB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Gera genutzt. Auf der Webseite Castlewelt ist vermerkt, dass das Schloss nur für Außenaufnahmen zugänglich sei. Waidmannsheil wurde von 1834 bis 1837 vom Gothaer Hofbaumeister Gustav Eberhard für Heinrich den Zweiundsiebzigsten von Reuß-Ebersdorf als Jagdschloss errichtet.

Thüringen Rückzugsort für Reichsbürger wie Heinrich XIII. Prinz Reuß

„Dass die Reichsbürgerszene Umsturzplanungen verfolgt, ist nicht neu, vielfach sind solche Bestrebungen wesentlicher Bestandteil der Ideologie“, stellte die  Thüringer Linken-Politikerin Katharina König-Preuss gegenüber ntv fest. „Thüringen ist seit Jahren ein Rückzugsort für Reichbürgerstrukturen, bei denen sich zuletzt auch neue Treffpunkte verstetigt haben, so etwa in Pfiffelbach bei Weimar.“

Es sei richtig, dass die Bundesanwaltschaft gegen die Szene vorgehe und nach Hinweisen auf Bewaffnungen aktiv werde. „Hier besteht ein enormes Gefahrenpotenzial, alleine die Thüringer Behörden wissen von 179 scharfen Schusswaffen bei Angehörigen der extrem rechten Szene und Anhängern der Reichsbürgerideologie im Freistaat“, fügte König-Preuss hinzu.

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Dass der festgenommene Heinrich XIII. Prinz Reuß Teil eines Thüringer Reichsbürger-Netzwerks ist, ist bekannt. „Das kann man schon so sagen, dass er hier eine Rolle spielt“, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier. Das Adelsgeschlecht der Reuß stamme aus Thüringen. „Offensichtlich spielt er eine größere Rolle, als man gedacht hat, weil er ja von dieser Gruppe offensichtlich als Staatsoberhaupt vorgesehen war“, sagte Maier.

Russische Botschaft dementiert Verbindungen 

Verschwörungsideologisch vor einem größeren Publikum auffällig wurde Prinz Reuß auf dem „Worldwebforum“ 2019 in Zürich. Dort referierte er unter anderem, dass seine Familie „1000 Jahre [...] entscheidend“ mit geprägt habe, so ein Bericht der Frankfurter Rundschau. Auch die Lebensgefährtin des Prinzen , die Russin Vitalia B., wurde festgenommen. Sie sollte wohl vor allem Kontakte nach Russland ermöglichen.  

Die russische Botschaft in Berlin hat derweil jegliche Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen in Deutschland zurückgewiesen. Die „russischen diplomatischen und konsularischen Büros in Deutschland unterhalten keine Kontakte zu Vertretern terroristischer Gruppen oder anderen illegalen Einheiten“, zitierten russische Nachrichtenagenturen eine Erklärung der Botschaft.