Greenpeace-Aktivisten bei einer Protestaktion. imago/Nikita

Diese Aufnahmen sorgen für Empörung: Der Onlineriese Amazon vernichtet trotz eines neuen Gesetzes weiterhin Neuware, prangert Greenpeace an. Am Standort Winsen (Niedersachsen) würden an acht Arbeitsplätzen originalverpackte Produkte für die Vernichtung vorsortiert, berichtete die Umweltschutzorganisation.

Filmaufnahmen eines Greenpeace-Rechercheurs, der mehrere Wochen als Angestellter im Amazon-Logistikzentrum in Winsen gearbeitet habe, zeigen, dass der Versandhändler „allein an einem Standort jede Woche mindestens eine Lkw-Ladung nicht verkaufter Ware, von T-Shirts über Bücher bis hin zu fabrikneuen Elektroartikel“ entsorgt, so die Umweltschützer weiter.

Die Aufnahmen wurden am Donnerstag Abend im ARD-Magazin Panorama gezeigt.

An acht „Destroy-Stationen“ werden im Lager originalverpackte Produkte für die Vernichtung vorbereitet, ergaben Greenpeace-Recherchen. Greenpeace

Die Umweltorganisation kritisierte, die Zerstörung der Waren geschehe, obwohl im vergangenen Jahr ein Gesetz gegen diese Form von Ressourcenverschwendung in Kraft getreten war. Die sogenannte Obhutspflicht soll verhindern, dass intakte Ware zerstört wird.

Keine Überwachung der Obhutspflicht durch Behörden

Doch bisher werde die Obhutspflicht weder umgesetzt noch von den Behörden überwacht. Der Konzern nutze aus, dass es bisher an einer Rechtsverordnung zur Obhutspflicht fehlt, weshalb keine Strafen verhängt werden.

Eine Kiste mit aussortierten Kleidungsstücken. Greenpeace

Ein Amazon-Sprecher erklärte, das Unternehmen halte seine Obhutspflichten hinsichtlich der vertriebenen Waren ein. „Wir haben Maßnahmen implementiert, um die Warenvernichtung so weit wie möglich zu vermeiden“, sagte er. Amazon arbeite daran, „möglichst gar keine Produkte“ zu deponieren.

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„Nur wenn wir keine andere Möglichkeit mehr haben, geben wir Artikel zum Recycling oder zur Energierückgewinnung – oder als allerletzte Option – zur Deponierung“, erläuterte der Sprecher. Dieser Weg sei allerdings „die letzte und am wenigsten attraktive Option - ökologisch und ökonomisch“. Tatsächlich liege „die Zahl der von Amazon verkauften und versandten Produkte, die entsorgt werden müssen, im Promillebereich“.

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Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth kritisierte indes, Amazon setze „allein auf schnellen Umsatz und hält deshalb den Platz im Regal für wichtiger als das Produkt darin“. Dies sei eine „klimaschädliche Ressourcenverschwendung“. Wohlgemuth forderte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum Handeln auf. „Das Vernichten von Neuwaren muss noch in dieser Legislaturperiode strafbar werden.“