Früher war er der große Warner, dann wurde er Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach (SPD).
Früher war er der große Warner, dann wurde er Bundesgesundheitsminister: Karl Lauterbach (SPD). dpa

Die Corona-Politik von Bund und Ländern hat nach der weitgehenden Abschaffung der Maskenpflicht eine neue Überraschung geliefert: Corona-Infizierte sollen sich vom 1. Mai an freiwillig in Quarantäne begeben, der Zwang wird abgeschafft. Die Einigung stößt auf Widerspruch, auch, weil nach wie vor über 300 Corona-Erkrankte täglich sterben.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch: „Für die Hochrisikogruppe wird es immer gefährlicher. Diese Menschen leben mitten unter uns“, sagte Brysch. „Gleich den Corona-Leugnern wird die Infektion verharmlost.“

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, macht es deutlicher: „Der Schutz der Risikogruppen spielt für die Politik offenbar überhaupt keine Rolle mehr. Sehr alte Menschen, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderungen und chronisch Kranke haben zu Recht große Sorge vor einer Ansteckung.“  Viele von ihnen sowie ihre Angehörigen müssten sich ab Mai noch weiter einschränken und isolieren. „Es wird dann auch immer wahrscheinlicher, dass das Virus doch in Pflegeeinrichtungen hineingetragen wird. Diese Politik gefährdet Menschenleben.“

„Wer Symptome aufweist, sollte die Infektion zu Hause aussitzen“

Professor Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, forderte eine Beibehaltung der Pflicht zur Isolation von Infizierten. „Wenn eine Person Symptome aufweist, dann sollte sie zu Hause die Corona-Infektion aussitzen, anstatt noch mehr Menschen anzustecken.“ Eine Isolationspflicht von fünf Tagen sollte unbedingt eingehalten werden. Dagegen hält Zeeb eine Quarantäne für Kontaktpersonen nicht mehr für notwendig.

Die Minister wollen, dass sich Infizierte und Kontaktpersonen von Infizierten freiwillig für fünf Tage isolieren. Strengere Vorgaben sollen noch für infizierte Beschäftigte in Gesundheitswesen und Pflege bleiben.

Die  Zahl der Infektionen geht tatsächlich gegenwärtig zurück, zuletzt binnen einer Woche von  237.352 auf 180.397 binnen 24 Stunden. Allerdings gibt es immer weniger PCR-Tests, deren Positiv-Ergebnisse in die Statistik  einfließen.