In Pilotprojekten wie hier in Sachsen starteten Arztpraxen schon mit Corona-Impfungen. Nach Ostern soll es bundesweit losgehen. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Nach Ostern sollen auch Arztpraxen flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen. Allerdings werden zunächst wohl nur etwa 20 Impfdosen pro Woche für 50.000 Praxen zur Verfügung stehen, weil der Impfstoff nach wie vor knapp sei, hieß es in den Beschlüssen des Impfgipfels von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs.

Die Impfzentren sollen konstant 2,25 Millionen Dosen pro Woche erhalten. An die Praxen soll nur geliefert werden, was darüber hinausreicht – was der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt scharf kritisiert: „Die Praxen dürfen nicht zur Resterampe werden, wenn bei den Impfzentren was übrig ist“, sagte Weigeldt im Gespräch mit der Bild zur vorrangigen Belieferung der Impfzentren.

Ulrich Weigeldt, Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, will sofort in Arztpraxen impfen lassen. Foto: imago/Metodi Popow

Den auf den 5. April vorgezogenen Impf-Start in den Hausarztpraxen hält Weigeldt für zu spät. „Warum nicht jetzt sofort? Wir könnten direkt loslegen“, erklärte Weigeldt.

Impfgipfel-Beschlüsse unzureichend

Auch der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hält die Beschlüsse des Impfgipfels für unzureichend. „An der grundlegenden Situation ändert der Beschluss nichts. Wir impfen weiter in Slow Motion“, sagte Gassen dem Wirtschaftsmagazin Business Insider.

Seit Anfang März impfen bereits in einem Modellversuch Hausärzte in vier Praxen in Brandenburg gegen Corona. Foto: dpa/Hannibal Hanschke

Eine Langsamkeit, die die rasant ansteigende dritte Corona-Welle eigentlich nicht zulässt. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) Samstag früh innerhalb eines Tages 16.033 neue Corona-Neuinfektionen. 

Intensivmediziner fordern „Notbremse“

Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf bundesweit 99,9 – hauchdünn unter dem Wert 100, ab dem die von Bund und Ländern vereinbarte „Notbremse“ mit der Rücknahme bisheriger Öffnungsschritte gilt. „Wir werden leider auch von dieser Notbremse Gebrauch machen müssen“, griff Kanzlerin Merkel dem Bund-Länder-Treffen zu den weiteren Corona-Maßnahmen am Montag vor.

Betreffen könnte das striktere Regeln für private Kontakte, zwischenzeitlich geöffnete Einzelhändler, Museen, Galerien, Zoos und Gedenkstätten sowie den Sport im Freien, der derzeit noch mit bis zu fünf Erwachsen aus zwei Haushalten oder bis zu 20 Kindern erlaubt ist.

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Auch Ärztevertreter fordern strikte Verschärfungen der Corona-Maßnahmen und rechnen ab Ostern mit noch mehr schweren Krankheitsfällen als zum Jahreswechsel. „Der Kapazitätspuffer auf den Intensivstationen wird rasant wegschmelzen“, warnte die Chefin des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna.

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Deshalb „muss definitiv die vereinbarte Notbremse gezogen werden, da darf es keine Ausnahmen geben“, sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Es war unverantwortlich, in die dritte Welle und die Ausbreitung der Mutanten hinein auf diese Art zu lockern. Dadurch droht den Kliniken nun die dritte Extremsituation binnen eines Jahres.“

„Aus unserer Sicht kann es daher nur eine Rückkehr zum Lockdown vom Februar geben“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, der Augsburger Allgemeinen und warnte: „Alles, was man sich jetzt erlaubt, muss man später mit Zins und Zinseszins bezahlen.“