Jerome Fuchs ist der Kommandeur der Spezialeinheit der Bundespolizei GSG 9. Foto: dpa/Federico Gambarini

Keine Sterne auf den Schulterklappen, keine Hinweise an der Uniform. Dass Jerome Fuchs hier der Kommandeur ist, lässt sich nur an der „1“ auf dem Abzeichen am Ärmel ablesen. Sein Büro in einem Zweckbau in Sankt Augustin bei Bonn liegt an einem Flur, der die graue Tristesse einer deutschen Behörde ausstrahlt. Dabei steht die GSG 9 der Bundespolizei, die er seit 2014 leitet, für das Gegenteil von Bürokratie. Die Spezialeinheit wird immer gerufen, wenn vermutet wird, dass Kriminelle oder Terroristen bewaffnet sind. Wenn Schnelligkeit und entschlossenes Handeln gefragt sind – und technische Fertigkeiten, weshalb die Fortbildung von Polizisten zu GSG 9-Beamten von zehn auf zwölf Monate verlängert wird.

Dass dies aus Sicht der Verantwortlichen künftig eher häufiger als seltener der Fall sein könnte, lässt sich nur an dem Aufbau einer vierten Einheit in Berlin ablesen und an einer Baustelle auf dem Gelände in Sankt Augustin. Denn über die genaue Personalstärke der GSG 9 macht die Bundesregierung keine Angaben. 

Was tun mit der „schmutzigen Bombe“?

Die GSG 9 hat Fallschirmspringer, Präzisionsschützen, Taucher und Bootsführer. Neu hinzugekommen ist zudem die Spezialisierung auf den Umgang mit chemischen, biologischen und radioaktiven Gefahrstoffen. Dazu gehört auch der Umgang mit einer „dirty bomb“. So nennt man Bomben aus konventionellem Sprengstoff, denen radioaktive Stoffe beigemischt sind.

Frauen gibt es in der Truppe nicht, es hat seit Jahren keine Bewerbungen von Polizistinnen bei der GSG 9 gegeben. „Es sind ja auch Frauen dabei, wenn wir in den Aus- und und Fortbildungszentren die Werbetrommel rühren“, sagt Fuchs. Allerdings müsse jeder die gleichen sportlichen Voraussetzungen erfüllen. „Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sich keine bewirbt, oder ob es andere Gründe hat.“ Von 100 Polizisten, die sich bei der GSG 9 bewerben, bleiben zum Ende der Ausbildung im Schnitt zehn Bewerber übrig.  

Dass die Ausbildung jetzt von zehn Monaten auf knapp ein Jahr verlängert wurde, hat aber nichts mit dem sportlichen Leistungsniveau zu tun, sondern liegt daran, dass die Anforderungen im Umgang mit Technik gestiegen sind.  

Zwei GSG 9-Beamte fielen im Irak im Hinterhalt

Um den Schutz deutscher Diplomaten an besonders gefährdeten Standorten wie in Bagdad oder Kabul kümmert sich die GSG 9  nicht mehr. Für diese Aufgabe wurde 2008 die Einheit Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland (PSA) gegründet. Mit dem Schutz der Diplomaten hängt auch das zusammen, was für Fuchs ganz persönlich „die schwärzeste Stunde“ in der Geschichte der GSG 9 ist: 2004 werden zwei Beamte der GSG 9 getötet, ihr Konvoi war im irakischen Falludscha in einen Hinterhalt geraten.

GSG 9-Beamte bei einer Übung auf dem Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: dpa/Boris Roessler

Kontakte hat die GSG 9 zur Bundeswehr, zu den Spezialeinheiten der Polizeibehörden der Länder, des Zolls und zu den Mobilen Einsatzkommandos des Bundeskriminalamtes. Damit alles reibungslos abläuft beim nächsten Einsatz gegen Rocker, Mafiosi, Terroristen, wenn ein Amokläufer um sich schießt oder oder eine Geisel befreit werden soll. Gute Beziehungen pflegt man auch zu Spezialeinheiten im Ausland.

Die „Landshut“ in Mogadischu: Hier konnte die GSG 9 ihren Nutzen mit der Geiselbefreiung beweisen. Foto: UPI/dpa

Einer ihrer bekanntesten Einsätze war die Erstürmung des Flugzeugs „Landshut“ der Lufthansa 1977.  Palästinensische Terroristen hatten die Maschine mit mehr als 90 Menschen in die somalische Hauptstadt Mogadischu entführt. Dort drangen GSG 9-Beamte in die Maschine ein und töteten drei der vier Entführer. Kein Polizist und keine  Geisel kam ums Leben. Die Operation fand auch außerhalb von Deutschland große Beachtung. „Was damals geleistet wurde, das öffnet uns bis heute international viele Türen“, berichtet Fuchs.  

Gegründet wurde die „Grenzschutzgruppe 9“ 1972, nachdem die Befreiung von israelischen Sportlern aus der Hand palästinensischer Terroristen bei den Olympischen Spiele in München in einem Blutbad geendet war, weil die Polizei auf solche Einsätze nicht vorbereitet war.