Illegaler Bergbau im Amazonasgebiet. Der Regenwald verliert immer mehr seiner Widerstandskraft. dpa/ Christian Braga/Greenpeace Brazil

Der Regenwald im Amazonasgebiet hat seit Anfang der 2000er-Jahre ständig an Widerstandsfähigkeit eingebüßt. Bei mehr als drei Vierteln des Waldes habe die Fähigkeit nachgelassen, sich von  Dürren oder Bränden zu erholen, heißt es in der Studie eines britisch-deutschen Forscherteams. Niklas Boers vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Mitarbeiter von der britischen Uni Exeter hatten Satellitendaten analysiert. Sie führen die nachlassende Widerstandsfähigkeit auf den Stress durch Abholzung und Brandrodungen zurück, der Einfluss des Klimawandels sei bisher nicht eindeutig feststellbar. Die Entwicklung lasse aber befürchten: Der Regenwald wird zur Savanne, mit schrecklichen Folgen für die ganze Welt.

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„Eine verringerte Resilienz – die Fähigkeit, sich von Störungen wie Dürren oder Bränden zu erholen – kann ein erhöhtes Risiko für das Absterben des Amazonas-Regenwaldes bedeuten“, sagt Boers. „Dass wir in den Beobachtungen einen solchen Resilienzverlust feststellen, ist besorgniserregend“. Die Analyse bestätige, dass eine starke Begrenzung der Abholzung, aber auch eine Begrenzung der globalen Treibhausgasemissionen notwendig sei, um den Amazonas zu schützen, sagt Tim Lenton, Direktor des Global Systems Institute in Exeter.

Der Amazonas-Regenwald speichert erhebliche Mengen an Kohlenstoff und besitzt eine Schlüsselrolle für das Weltklima und die Artenvielfalt. Er gilt als eines der sogenannten Kippelemente, die das Klima auf der Welt aus dem Gleichgewicht bringen können. Forscher warnen davor, dass sich beim Überschreiten eines Kipppunktes ein Großteil des Amazonasgebiets in eine Savanne verwandeln könne. „Wann ein solcher möglicher Übergang stattfinden könnte, können wir nicht sagen“, sagte Boers. „Wenn er dann zu beobachten ist, wäre es wahrscheinlich zu spät, ihn aufzuhalten.“

Schätzungen zufolge könnte für das Erreichen des Kipppunktes ein Verlust von 20 bis 25 Prozent der Walddecke im Amazonasbecken ausreichen, jetzt sind es bereits 17 Prozent. Riesige Wüsten könnten eine Folge sein, und die weltweite Zunahme von Dürren und Überschwemmungen.

Der Anteil Brasiliens am Amazonasgebiet entspricht flächenmäßig der Größe Westeuropas. Der rechte Präsident Jair Bolsonaro sieht in ihm vor allem ungenutztes wirtschaftliches Potenzial und will noch mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. So erließ er etwa ein Dekret zur Förderung des Goldabbaus im Amazonasgebiet.

Brasiliens Präsident hat für den Regenwald nichts übrig

Die Ausbeutung von amerikanischen Ureinwohnern bewohnte Gebiete zum Abbau von Kalium für Düngemittel rechtfertigte Bolsonaro  jüngst mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und einer damit angeblich drohenden Verknappung und Verteuerung von Kalium. Die Abholzung im Amazonasgebiet legte während der Amtszeit Bolsonaros, der Ende Oktober 2018 zum Präsidenten gewählt wurde und sein Amt Anfang 2019 antrat, kräftig zu und lag zuletzt auf Rekordniveau.

Bolsonaros Politik treibe den Amazonas-Regenwald „geradewegs in den Kipppunkt“, sagte Roberto Maldonado, Brasilien-Referent der Umweltorganisation WWF. Bis zum Ende seiner Amtszeit im Oktober wolle Bolsonaro weiter Waldzerstörung für die Produktion von Futtermittelsoja und Rindfleisch legalisieren und Territorien durch Bergbau in Mondlandschaften verwandeln. Als Abnehmer der Produkte stünden viele europäische Länder, darunter Deutschland, in der Verantwortung.

Laut Greenpeace-Expertin Gesche Jürgens trägt der Fleischimport und das Füttern der Nutztiere in Europa mit Futtersoja aus dem Amazonasgebiet erheblich zur Zerstörung des Waldes bei. „Die EU und Deutschland können und müssen daher Verantwortung für den Schutz des Amazonas-Waldes übernehmen.“