Hightech in Rüsselsheim: 10.000 Mitarbeiter schöpfen Hoffnung, dass es mit dem Opel-Stammwerk vorangeht. dpa/Opel Automobile GmbH/Andreas Liebschner

So richtig viel Vertrauen in die Zukunft von Opel war nicht da, als der neue Auto-Gigant Stellantis aus der französischen Gruppe PSA und Fiat-Chrysler entstand: 14 Marken, Sitz in den Niederlanden, portugiesischer Vorstandschef, italienischer Aufsichtsratsvorsitzender. Doch im Opel-Stammwerk von Rüsselsheim keimt Hoffnung, dass das schöne alte Blitz-Logo ordentlich zündet.

Opels Blitz-Logo am Stammwerk Rüsselsheim imago/Jan Hübner

Dort, in den Hallen K170 und K180, hängen Autokarossen hintereinander auf ihrem Weg zur „Hochzeit“, wo sie mit der Bodengruppe zusammengefügt werden. Das Besondere: Vom Opel-Band laufen ohne Verzögerung verschiedene Auto-Typen. In die Reihen des Opel Insignia mischten sich in den vergangenen Wochen immer mehr Kompaktwagen vom Typ „DS 4“ der französischen Schwestermarke sowie aus der Vorserie des 2021er Opel Astra.

Der neue Opel Astra, der in Rüsselsheim gebaut wird Opel Automobile GmbH

Erstmals werden hier Autos verschiedener Marken auf einer Plattform des Mutterkonzerns Stellantis gebaut, die zudem auch noch in teilelektrischen Hybrid-Versionen erhältlich sind. Ein wichtiger Zwischenschritt, denn bereits 2028 will Opel in Europa nur noch vollelektrische Autos verkaufen.

Der DS 4, französisches Gegenstück zum Astra, ist technisch nahezu baugleich. dpa/Opel Automobile GmbH/Dorothea Knell

Seit der Übernahme im August 2017 hatte der PSA- und jetzige Stellantis-Chef Carlos Tavares bei Opel einen harten Sanierungskurs durchgesetzt. Teile der Entwicklung wurden ebenso verkauft wie Testcenter und  Immobilien. Nach einer Einigung mit der IG Metall wurden Tausende Arbeitsplätze gestrichen und die Menschen mit Abfindungen oder Vorruhestandsgeld nach Hause geschickt. 2018 machte Opel wieder Gewinn. Nach der vor einem halben Jahr erfolgten Fusion von PSA mit Fiat-Chrysler ist der 1862 gegründete Traditionshersteller Opel einzige deutsche Marke im Stellantis-Konzern.

Opel, DS, Peugeot: Technisch gleich, optisch unterschiedlich

Seit der Übernahme ist es vorbei mit der technischen Eigenständigkeit der früheren Tochter des US-Konzerns General Motors (GM), die über Jahrzehnte nur Verluste eingefahren hatte. Neue Modelle entstehen seitdem aus Kostengründen ausschließlich auf Plattformen des neuen Mutterkonzerns. Bei allen äußerlichen Unterschieden sind nun DS 4, Peugeot 308 und Opel Astra unter dem Blech weitgehend baugleich – ein Prinzip, das auch bei Volkswagen angewendet wird.

Für Astra-Chefingenieurin Mariella Vogler (59) schafft die Plattform-Strategie erst den Freiraum für die notwendige Kreativität, den neuen Astra zu entwickeln. „Wir konnten uns in dem reich gefüllten Komponentenregal bedienen und mit unserer Arbeit in vielen Details einen neuen Opel schaffen. So wie der Astra wird keines der Schwestermodelle fahren“, verspricht sie. Bedienelemente, Sitze, Licht und Fahrwerk seien neben der äußeren Erscheinung die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale.

Unter Werksleiter Michael Lewald entstehen in Rüsselsheim Opel-Autos und der deutsche „Franzose“ DS 4. dpa/Opel Automobile GmbH/Leif Rohwedder

Im Sommer 2020 hatten die Umbauarbeiten im zuletzt kaum ausgelasteten Werk begonnen: Auf der Linie sollten sowohl die neuen Modelle Astra und DS 4 als auch der Mittelklassewagen Insignia montiert werden, der als letztes nicht elektrifiziertes Überbleibsel noch aus GM-Zeiten stammt. Und zwar in der Reihenfolge, wie Aufträge reinkommen. Denn auch das hat Tavares geändert: „Wir bauen keinen Wagen ohne Auftrag“, sagt Werksleiter Michael Lewald. Es soll keine Autos „auf Halde“ geben.

Neuer Opel Astra soll 2022 auf den Markt kommen

Der Astra, der Anfang 2022 auf den Markt kommen soll, ist der Hoffnungsträger für das geschrumpfte Stammwerk mit noch gut 10.000 Beschäftigten. In der eigentlichen Produktion steigt die Mitarbeiterzahl um 300 auf 2400, wenn im Spätherbst der Betrieb in zwei Schichten anläuft. Dass zudem der DS 4 in Deutschland vom Band läuft, hat den französischen Gewerkschaften gar nicht gepasst, zeigt aber, dass Rüsselsheim im Stellantis-Verbund kostenmäßig mithalten kann.