Valneva Impfstoff in Großbritannien zugelassen.
Valneva Impfstoff in Großbritannien zugelassen. AFP

Es ist noch gar nicht so lange her, das warteten Impfskeptiker sehnlich auf den Totimpfstoff des französisch-österreichischen Herstellers Valneva. Jetzt, wo die Impfkampagne in Deutschland zum Stillstand gekommen ist, lässt Großbritannien als erstes europäisches Land den neuen Corona-Impfstoff zu. Eine Zulassung innerhalb der EU könnte noch im April folgen.

Lesen Sie auch: YouGov-Umfrage: Mehrheit trägt weiter Maske>>

„Die unabhängige Kommission für Humanmedizin und ihr Covid-19-Sachverständigenteam haben die verfügbaren Daten sorgfältig geprüft, das Nutzen-Risiko-Verhältnis ist positiv“, erklärte die Zulassungsbehörde in London am Donnerstag. Der Impfstoff ist demnach für Menschen zwischen 18 und 50 Jahren zugelassen. Zwei Dosen sollen im Abstand von mindestens vier Wochen verabreicht werden.

Valneva enthält abgetötete Corona-Viren

Der Totimpfstoff von Valneva enthält für die Immunisierung abgetötete Bestandteile des Coronavirus. Damit nutzt er eine ähnliche Technologie wie klassische Grippe -Impfstoffe und soll in normalen Kühlschränken gelagert werden können. Ende März hatte das Unternehmen eine erste Notfallzulassung in Bahrain erhalten.

Auch die EU-Kommission hat 60 Millionen Dosen bei dem Hersteller bestellt. Eine bedingte Zulassung könnte noch in diesem Monat erfolgen. Die Belieferung der EU-Länder soll dann im zweiten Quartal 2022 beginnen.

Was macht das Produkt von Valneva besonders? Bei VLA2001 handelt es sich um einen Impfstoff, der inaktivierte, ganze Viren enthält. Dabei handelt es sich laut dem Hersteller um ein traditionelles, seit Jahrzehnten erprobtes Verfahren.

Dennoch nennt Thomas Lingelbach, CEO des Unternehmens, VLA2001 nicht Totimpfstoff: „Statt von Totimpfstoffen sollten wir lieber von inaktivierten Ganzvirusimpfstoffen sprechen.“ Denn laut Lingelbach enthielten grundsätzlich auch andere Impfstoffe tote Bestandteile.

Anders als bei den bisher in Deutschland zugelassenen Covid-19-Impfstoffen bildet das Immunsystem nach einer Impfung nicht nur gegen das Spike-Protein Antikörper, sondern auch gegen weitere Strukturen der Außenhülle des Coronavirus Sars-CoV-2.

Valneva-Impfstoff mit Wirkverstärker

Der Impfstoff von Valneva nutzt zwei verschiedene Wirkverstärker, so genannte Adjunvatien. Das eine Adjuvans ist Aluminiumhydroxid, das Impfstoffen seit Jahrzehnten zugesetzt wird. Es ist zum Beispiel Teil von Impfstoffen gegen Diphterie und Tetanus. Neu ist das zweite Adjuvans CpG 1018. Bisher ist es nur in einem Impfstoff gegen Hepatitis B enthalten. CpG 1018 ist ein kleiner Schnipsel synthetisch hergestellter DNA.

Lesen Sie auch: 13 Fakten über den Osterhasen, die Sie garantiert noch nicht kannten>>

Dessen Aufbau ähnelt dem genetischen Material von Bakterien und Viren. Das angeborene Immunsystem des Menschen erkennt das Muster dieses DNA-Bausteins und reagiert darauf. CpG 1018 soll besonders die Entwicklung einer bestimmten Untergruppe von T-Helferzellen anregen, die auf Aluminiumhydroxid nicht ausreichend reagieren.

Nach Tests an 4000 Personen waren nach der Impfung  Reaktionen an der Einstichstelle und Fieber, Ausschlag und Schwellungen der Lymphkonten häufige Reaktionen. Besorgniserregende Nebenwirkungen gab es laut Hersteller keine. Auch beim IMpfstoff von Valneva soll eine dritte Impfdosis die Immunität deutlich verstärken.